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Naturschutz:Kritik an Einsatz von Pflanzenschutzmittel

Auch in diesem Jahr tritt in vielen Eichenwäldern Frankens wieder der Schwammspinner auf, an der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) befürchten sie sogar eine abermalige Massenvermehrung. Deshalb wollen die Förster die gefräßigen Schmetterlingsraupen wieder mit dem Pflanzenschutzmittel Mimic bekämpfen. Naturschützer wie Ralf Straußberger kritisieren die Pläne. "Es ist überhaupt nicht erwiesen, dass Eichen wirklich absterben, wenn sie von den Raupen befallen werden", sagt er. "Außerdem tötet Mimic nicht nur Schwammspinnerraupen, sondern alle möglichen pflanzenfressenden Insekten, darunter auch welche, die nicht an Eichen, sondern an andere Bäume gehen oder am Boden leben." Die LWF beteuert, dass sich Mimic seit Jahrzehnten bei der Schädlingsbekämpfung im konventionellen Obst- und Weinbau als Nützling schonend und nicht bienengiftig bewährt habe. Oberstes Ziel der Förster sei der Erhalt der fränkischen Eichenmischwälder samt ihrer besonderen Tier-, Pilz- und Pflanzenvielfalt. Nach aktueller Einschätzung der LWF droht in diesem Frühjahr auf etwa 7500 Hektar Eichenwald Kahlfraß durch den Schwammspinner. Allerdings sollen die Raupen nur auf 3000 Hektar bekämpft werden. Auf den verbleibenden 4500 Hektar sei dies zum Beispiel aus Gründen des Naturschutzes nicht möglich. Insgesamt soll das Pflanzenschutzmittel in 400 Wäldern ausgebracht werden, die weit verstreut in der Region zwischen Treuchtlingen, Haßfurt und Bad Kissingen liegen. Ungefähr 80 Prozent davon sind kleiner als zehn Hektar.

© SZ vom 22.04.2020 / cws

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