NaturschutzImmer weniger Frösche, Kröten und Molche in Bayern

Lesezeit: 2 Min.

Noch da: Ein Grasfrosch auf dem Weg zu seinem Laichplatz.
Noch da: Ein Grasfrosch auf dem Weg zu seinem Laichplatz. Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Auch im vergangenen Jahr hat sich der Amphibien-Schwund fortgesetzt, obwohl die Witterung eigentlich günstig für die Tiere war. Naturschützer schlagen Alarm.

Von Christian Sebald, Nürnberg

SZ bei Google bevorzugen

Der Grasfrosch oder Rana temporaria ist eine Allerweltsart, zumindest bisher. Die bis zu elf Zentimeter großen gelb-, rot- oder schwarzbraunen Amphibien kommen praktisch überall vor, wo es Weiher, Teiche oder Tümpel gibt. Typisch für den Grasfrosch sind die großen Laichballen aus bis zu 4500 Eiern. Die Tiere laichen im zeitigen Frühjahr und oft im gleichen Gewässer, sodass mehrere Quadratmeter große Ansammlungen von Laichballen entstehen können. Seit einigen Jahren freilich hat die Grasfrösche ein dramatischer Schwund erfasst. Ein so dramatischer, dass Artenschützern ganz bang wird. "Nachdem der letzte Sommer etwas regenreicher war als die in den Vorjahren, hatten wir auf eine Erholung der Bestände gehofft", sagt Uwe Friedel vom Bund Naturschutz (BN). "Aber nach jetzigem Stand hat sich diese Hoffnung zerschlagen."

So wie dem Grasfrosch ergeht es vielen anderen Amphibienarten in Bayern. Das kann man in der einschlägigen Roten Liste des Landesamts für Umwelt (LfU) nachlesen. Sie umfasst 20 Arten, darunter so seltene wie den Alpensalamander (Salamandra atra) , aber eben auch häufige wie den Grasfrosch oder die Erdkröte (Bufo bufo). Und mit der Rotbauchunke oder Bombina bombina führt sie sogar eine ausgestorbene Art, ihr letzter Nachweis datiert aus dem Jahr 1926. Den wenigsten freilich ist bewusst, dass die Amphibien insgesamt deutlich mehr gefährdet sind als andere Artengruppen. Zwölf der 20 heimischen Frosch-, Kröten- und Molcharten werden in der Roten Liste als gefährdet aufgezählt, drei davon als vom Aussterben bedroht.

Newsletter abonnieren
:Mei Bayern-Newsletter

Alles Wichtige zur Landespolitik und Geschichten aus dem Freistaat - direkt in Ihrem Postfach. Kostenlos anmelden.

Und der Schwund setzt sich offenbar rasant fort, selbst in Jahren in denen die Witterung relativ kühl und nass ist, wie in dem vergangenen. Das legen zumindest die ersten Ergebnisse der Zählungen an den Schutzzäunen entlang der Amphibien-Wanderwege nahe, die sich an Straßen quer durchs Land ziehen. Nach ihnen schreitet der Amphibien-Schwund in 14 Regionen Bayerns unvermindert fort, in nur drei ist die Zahl der Tiere auf den Wanderwegen ungefähr gleich geblieben und in weiteren drei wurden - wie eigentlich generell erwartet - mehr Amphibien gezählt. "Diese Zahlen sind ein Alarmzeichen", sagt denn auch der BN-Chef Richard Mergner. Zumal die aktuellen Rückgänge über alle Regierungsbezirke und damit über ganz Bayern hinweg verteilt sind.

Grund der Verluste ist zum einen die Zerstörung der Amphibien-Lebensräume. Es gibt immer weniger Weiher, Teiche und Tümpel. Aber sie haben auch mit dem nach wie vor massiven Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft zu tun. Dadurch gibt es immer weniger Insekten, den Amphibien geht buchstäblich das Fressen aus. Und dann macht natürlich auch die Klimakrise mit den immer häufigeren sehr heißen und sehr trockenen Sommern den Fröschen, Kröten und Molchen das Leben schwer. Gegen den massiven Pestizideinsatz fordert der BN einen Ausbau der Bio-Landwirtschaft. Sie arbeitet ohne Agrarchemie und ist deshalb besser für den Erhalt der Artenvielfalt als die konventionelle. Außerdem verlangt der BN Uferrandstreifen und die Renaturierung von Auenlandschaften entlang kleiner und großer Flüsse und Bäche.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Tourismus in Bayern
:Digitale Ranger, reale Gefahren

99 Schüler müssen vom Berg gerettet werden. Es spricht vieles dafür, dass die Lehrer fahrlässig gehandelt haben. Dennoch ist eine Diskussion um den Wert von Tourenbeschreibungen im Internet entbrannt.

SZ PlusVon Florian Fuchs und Hubert Grundner

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: