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Naturschützer fordern:Bayern soll sich mehr fürs Tierwohl einsetzen

Der Bund Naturschutz (BN) hat einen Stopp der Massentierhaltung in Bayern gefordert. "Es darf nicht sein, dass auch in Bayern Ställe mit 500 oder tausend Milchkühen zum Vorbild werden und die Industrialisierung der Schweinemast so fortschreitet wie in der Geflügelmast", sagt BN-Chef Hubert Weiger. Außerdem müsse der Freistaat sich mehr für das Tierwohl einsetzen. Nach Forderung des BN soll er nur dann Zuschüsse für Stall-Neubauten bezahlen, wenn die Bauern ihren Tieren einen Auslauf ins Freie ermöglichen, sie artgerecht füttern und sie auf Stroh statt auf Beton-Spaltenböden halten.

Zwar betonen Agrarminister Helmut Brunner (CSU) und der Bayerische Bauernverband ein ums andere Mal, dass die Landwirtschaft in Bayern nach wie vor von kleinen und mittleren Familienbetrieben geprägt sei. Aber dies trifft nur noch in Teilen zu. So halten nur fünf Prozent der Schweinemäster im Freistaat ein Viertel aller Schweine. Und in der Hühnermast hatten schon vor fünf Jahren 16 der mehr als 1000 Mäster die Hälfte aller Mastplätze in ihrer Regie. Das waren ungefähr 2,5 Millionen Tierplätze. Die Zahlen sind längst überholt, aktuellere gibt es aber nicht. Nur bei den Rindern sieht es besser aus. Nach der Statistik stehen in den Ställen im Freistaat durchschnittlich 33 Rinder, das sind 13 weniger als im Bundesschnitt. Aber Weiger befürchtet, dass das schon bald Vergangenheit sein könnte. Denn schon jetzt leben neun Prozent der 110 000 Milchkühe in Bayern in Ställen mit mehr als 100 Tieren. Und vielerorts gibt es Betriebe mit 300 und mehr Rindern. Der BN will deshalb Obergrenzen für Ställe. In der Hühnermast sollen sie bei 30 000 Tieren liegen, für Schweine bei 1500 und bei Rindern bei 250.

Auch im Ackerbau drängt Weiger auf schärfere Regelungen. Unkraut soll demnach möglichst wenig mit Herbiziden bekämpft werden, sondern mechanisch ausgerupft werden. Ministerpräsident Horst Seehofer und Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) sollen auch ein Verbot des höchst umstrittenen Pflanzenschutzmittels Glyphosat unterstützen. Außerdem fordert der BN, dass die Staatsregierung Brunners Bio-Initiative ausweitet. Statt 400 000 Hektar Öko-Anbaufläche, wie sie der bayerische Agrarminister bis 2020 anstrebt, sollte die Zielmarke nach Vorstellungen des BN wenigstens 600 000 Hektar betragen.

© SZ vom 17.05.2016 / cws

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