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Bayerischer Wald:"Diese Art Wildwuchs nimmt überhand"

Wer steckt dahinter? Am Farrenberg wurde ein Kreuz in die Felswand geschraubt.

(Foto: Nationalpark Bayerischer Wald)

Unbekannte haben am Farrenberg ein Kreuz in den Fels geschraubt. Es ist nicht das erste Mal, dass im Nationalpark illegal errichtete Symbole gefunden werden.

Von Christian Sebald, Finsterau

Der 1203 Meter hohe Farrenberg ist ein einsam gelegener Gipfel im Nationalpark Bayerischer Wald. An seinen unzugänglichen Hängen, die von steilen, wuchtigen Blockmeeren durchzogen sind, wächst ein wilder Wald. Schließlich liegt der Farrenberg, der sich im Nordosten des sehr viel bekannteren Lusen erstreckt, inmitten der Kernzone des Nationalparks, in der die Natur Vorrang hat. Die Pflanzen- und Tierwelt sollen sich ohne jeden menschlichen Einfluss entwickeln können. Deshalb herrscht hier abseits offizieller Wege Betretungsverbot. Umso größer war erst das Erstaunen und dann die Verärgerung von Nationalpark-Chef Franz Leibl, als seine Ranger am Farrenberg ein Metallkreuz entdeckten. Unbekannte hatten es in die Felswand geschraubt.

"Solche Aktionen haben mit der Wertschätzung der Schöpfung nichts zu tun", sagt Leibl. "Das ist eine Störung der unberührten Natur." In einem Nationalpark gilt nun mal, dass man nicht einfach nach Gutdünken Kreuze, Gedenktafeln oder Ähnliches aufstellen darf. Zwar mag es so mancher anders empfinden. Aber mit einem Kreuz im Felsgestein ist ein Eingriff zulasten der Natur verbunden - der winzigen Moose und Flechten auf dem Felsen etwa, in den das Kreuz hineingeschraubt worden ist. Außerdem ist das illegale Kreuz am Farrenberg nicht die einzige Aktion dieser Art, die in diesem Jahr passiert ist. "Diese Art Wildwuchs nimmt überhand", sagt Leibl.

An den Drei Zwergen, einer markanten Felsformation am Hohen Filzberg (1279 Meter) ebenfalls im Lusengebiet, haben Unbekannte sogar ein richtig großes Kreuz aufgerichtet - und zwar mit schwerem Gerät. Ansonsten hätten sie gar nicht das Loch für das Kreuz in den felsigen Untergrund bohren können. Auf dem Kreuz prangte die Aufschrift: "Gläubige stellen Kreuze auf, Ungläubige lassen sie entfernen." Die Aufschrift hat Leibl besonders verärgert. Denn seiner Überzeugung nach haben illegal aufgestellte Kreuze auch nichts mit dem Glauben zu tun. Für ihn sind sie vielmehr ein Zeichen der Missachtung der Natur und damit der Schöpfung Gottes. Zumal das Kreuz an den Drei Zwergen ebenfalls fernab von offiziellen Wegen aufgestellt wurde. Deshalb hat Leibl es ebenso wie das am Farrenberg entfernen lassen.

Die Kreuze sind nicht der einzige Naturfrevel im Nationalpark. In der letzten Zeit schneiden Unbekannte in der Kernzone auch immer wieder Pfade frei und versehen sie mit Markierungen, mit roten Herzen etwa. "Unlängst hat einer sogar 300 junge Fichten für seinen Privatsteig umgelegt", berichtet Leibl. "Auf solche Gäste verzichten wir gerne."

Bleibt die Frage, wer tut so etwas? Leibl und seine Mitarbeiter haben bisher keinerlei Hinweise auf die Täter. Fest steht nur, dass es sich um Leute mit ausgesprochen guter Ortskenntnis und guter Kondition handeln muss. "Denn all die Orte der Aktionen liegen nicht nur fernab von unseren Wegen und Steigen", sagt Leibl, "sondern zumeist auch in schwierigem Gelände, das man nur mit einer gewissen Ausdauer und Übung erreicht." Deshalb ist sich Leibl ziemlich sicher, dass die Naturfrevel nichts mit den immens gestiegenen Besucherzahlen in diesem Jahr zu tun haben. "Unsere neuen Gäste sind eine ganz andere Klientel", sagt er, "die sind gekommen, weil sie wegen der Corona-Pandemie auf andere Ausflüge und Reisen haben verzichten müssen. Sie haben weder die Ortskenntnis für solche illegalen Aktionen, noch die Kondition."

© SZ vom 18.11.2020/van/vewo
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