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Nationalpark Bayerischer Wald:Ein sympathischer Kauz

Sein freundliches Gesicht hat etwas von einem Opa mit Pfeife. Wahrscheinlich ist der Vogel deshalb so beliebt.

(Foto: Nationalpark Bayerischer Wald)

Der Habichtskauz ist der Beweis dafür, dass der Nationalpark Bayerischer Wald inzwischen wieder Urwald genug ist, um einst ausgestorbenen Tieren wieder Heimat zu sein. Der Habichtskauz, Europas zweitgrößte Eule, ist das bislang erfolgreichste Auswilderungsprojekt.

Jetzt hat Dennis Müller das Schnaufen auch gehört. "Ja, da atmet was. Das ist so zwanzig Meter entfernt." Mit einem lauten Knacken bricht ein Ast im Unterholz. "Das ist eher was Größeres. Vielleicht ein Wildschwein." So ruhig und gelassen Müller auch ist, er hat kein großes Talent, nachts im Wald beruhigend zu wirken. Ein zweites Knacken weiter links im Unterholz. "Aha, wir sind umzingelt."

Tiere anlocken. Das ist die Idee dieser nächtlichen Waldexkursion. Deshalb steht Müller, der Leiter der Tierfreigehege des Nationalparks Bayerischer Wald, mit einem tragbaren CD-Spieler in der Mitte einer Waldlichtung im Mondlicht und drückt auf Play: "Uh-uuuuuuuu- uh-uuuuuuuuuu . . ." Die Balzgeräusche des Habichtskauzes auf Dauerschleife. Müller hält den Kopf etwas schräg, um besser hören zu können, ob in den Pausen zwischen den Uuuuuuuus ein zweites Uuuuuuu antwortet, aus dem Wald, nicht von der CD. Dann schaut er nach oben in den sternklaren Himmel und sucht zwischen den Baumwipfeln nach Vogelschwingen. "Die nähern sich völlig lautlos und auf einmal sitzt ein riesiger Vogel genau über einem."

Nur hat sich statt eines lautlosen Kauzes ein lautstarkes Wildschwein genähert. Oder vielleicht sogar zwei. Bevor Zeit ist, das genauer herauszufinden, zeigt Müller mit dem Kinn zu seinem Auto und beginnt zügig rückwärts zu gehen. Einsteigen und Rückzug. Vorerst.

Tiere, die hier heimisch waren

Ein paar Stunden zuvor. Ein nieseliger Nachmittag im Tierfreigehege des Nationalparks Bayerischer Wald. Die Ohren reagieren im Hellen noch nicht nervös auf jedes Rascheln im Unterholz, sondern lassen sich von den Augen beruhigen. Im Zweifel ist es immer nur eine Amsel. Franz Leibl, der Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald, geht unbeeindruckt an den Wegweisern zum Wolfsgehege vorbei und steuert auf den Waldrand zu. Dort rottet ein zehn Meter langer Baumstamm vor sich hin, links und rechts davon stapelweise "Totholz", wie Leibl im Profi-Jargon feststellt.

Junge Buchen nutzen den Freiraum, der durch den umgestürzten Baum entstanden ist und Leibl wiederholt sein Nationalpark-Mantra: "Wir lassen Natur Natur sein." Auch wenn das bedeutet, dass der Wald für Laien arg finster und unaufgeräumt aussieht. Es liegt an Lichtungen wie dieser, nicht aufgeforstet, mit reichlich verrottenden toten Bäumen, dass es überhaupt wieder möglich ist, sich nachts im Bayerischen Wald auf die Suche nach dem Habichtskauz, der zweitgrößten Eulenart Europas, zu machen. "Naturnähezeiger" nennen Leibl und Müller den Vogel. Einen Beweis dafür, dass der Wald inzwischen wieder Urwald genug ist, um in der Region einstmals ausgestorbenen Tieren wieder eine Heimat zu sein.

1926 wurde der letzte Habichtskauz im Böhmischen Wald geschossen. In diesem Frühjahr wurden so viele gezählt wie seither nie wieder, mindestens 16 Paare beginnen in diesen Tagen zu brüten. Der Habichtskauz ist das erfolgreichste Auswilderungsprojekt des Nationalparks. Und es ist eines der Projekte, mit dem die Tierparkbetreiber die Tierparkkritiker besänftigen. Hier im Nationalpark werden nur Tiere gehalten, die heimisch waren.

In den vergangenen Jahren nähert sich die Tiervielfalt vor und hinter dem Zaun einander wieder an. Tiere werden nicht mehr nur gezüchtet, um die Anzahl der in Gefangenschaft lebenden Tiere stabil zu halten, sondern auch um frei lebende Populationen aufzubauen. Auerhuhn, Uhu und Habichtskauz wurden innerhalb des Nationalparks ausgewildert. Wisent, Fischotter, Luchse, Haselhühner und in Kooperation mit dem Tierpark Hellabrunn auch das Przewalski-Pferd werden von Bayern aus zur Auswilderung bis nach Kasachstan gebracht.