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Nachwuchsmangel in bayerischen Klöstern:Ende einer 400-jährigen Tradition?

Für die Schwestern ist Reutberg die Heimat, die sie nicht verlassen wollen. "Sie gehören ins Kloster, sie gehören zur Wallfahrt. Selbst wenn sie nicht mehr arbeiten können, müssen sie beten", sagt Schwester Faustina. Neun Schwestern gehören zur Gemeinschaft der Franziskanerinnen, fünf leben tatsächlich im Kloster. Die älteste ist Schwester Gaudentia, 91, dann folgen Schwester Augustina und Schwester Hyazintha, die beide kürzlich ihr diamantenes Profess-Jubiläum feierten. Schwester Leonarda ist 79, jünger ist nur Schwester Faustina.

Zwei über 80 Jahre alte Schwestern leben seit einiger Zeit im Altenheim. Dann gibt es noch zwei Interessentinnen für den Eintritt ins Kloster, die ihr Gelübde aber noch nicht abgelegt haben. In Reutberg gibt es allerdings weder eine Oberin noch eine Novizenmeisterin, was notwendig wäre für die Aufnahme von Novizinnen. "Aber das zeigt doch: Es gibt Nachwuchs", sagt Schwester Leonarda.

Sollte das Kloster aufgelöst werden, ginge eine 400-jährige Tradition zu Ende: Gräfin Anna Papafabin, Hofmarksherrin von Reichersbeuern und Sachsenkam, ließ 1606 in der einsamen und etwas unheimlichen Moorlandschaft eine Loretokapelle bauen: die erste im bayerischen Oberland und eine maßstabsgetreue Kopie des Heiligen Hauses im berühmten italienischen Wallfahrtsort Loreto.

Von ihrem Mann verlassen, ließ die Gräfin ein Kloster errichten, wurde Nonne und zog mit sechs Schwestern auf den Reutberg. Kloster und Kirche, wie sie heute dort stehen, wurden in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts errichtet. Touristen und Gläubige kommen wegen des Grabs der Schwester Maria Fidelis Weiss hierher, der Gebetserhörungen zugeschrieben werden. Ihr Seligsprechungsprozess wurde 1936 eingeleitet, der erste Teil 1977 abgeschlossen.

"Im Moment stimmt das Gesamtpaket: Kloster, Klosterbräustüberl, Klosterbrauerei."

In Klosterbrauerei und Klosterbräustüberl wird besorgt über einen möglichen Weggang der Schwestern nachgedacht. "Auch für uns wäre es schlecht, wenn es das Kloster nicht mehr gäbe - mindestens die Hälfte unserer Gäste geht vor oder nach dem Essen in die Kirche", sagt Restaurant-Geschäftsführer Georg Lichtenegger. "Im Moment stimmt das Gesamtpaket: Kloster, Klosterbräustüberl, Klosterbrauerei."

Die Pacht für die Brauerei-Gebäude und das Restaurant ist bis 2030 vereinbart, mit der Option, bis 2040 zu verlängern. "Der Vertrag ist mit dem Kloster und dem Ordinariat ausgehandelt, unabhängig davon, ob es Franziskanerinnen auf dem Reutberg gibt", sagt Stephan Höpfl, Geschäftsführer der Genossenschaftsbrauerei. "Doch als spiritueller Ort sollte das Kloster erhalten bleiben." Momentan zahlt die Brauerei mehr als 100 000 Euro jährlich ans Kloster. Auch die umliegenden Flächen gehören dem Kloster und werden von zwei Landwirten bearbeitet.

Vor einer Woche war Prälat Kastenhofer noch einmal zu Besuch und bat die Schwestern um Vertrauen. Davon, dass sie bis Jahresende wegziehen müssen, sei keine Rede mehr gewesen. Die Franziskanerinnen hoffen nun, dass wieder Ruhe einkehrt. Doch Schwester Faustina ist überzeugt, dass es die Unruhe wert war: "Wenn wir uns nicht gewehrt hätten, wären die alten Schwestern wohl ins Altenheim gekommen."