Nachruf Historiker Glaser gestorben

Ein Lebenswerk von europäischem Format hinterlässt Hubert Glaser (1928–2019). Dazu gehört die famose Edition des Briefwechsels zwischen Ludwig I. und Leo von Klenze

(Foto: oh)

Von Hans Kratzer

Vom Krankenbett aus konnte Hubert Glaser noch die Eröffnung des Museums der Bayerischen Geschichte in Regensburg mitverfolgen, ein Ereignis, das ihn gewiss mit Freude erfüllt hat. Schließlich war der renommierte Landeshistoriker einer der Wegbereiter dieses Mammutprojekts. Angeleitet von Max Spindler, dem Gründer des Instituts für Bayerische Geschichte in München, und im Auftrag der Staatsregierung hatte Glaser 1964/65 ein erstes Konzept für ein solches Museum entwickelt. Niemand ahnte damals, dass bis zur Realisierung noch Jahrzehnte ins Land gehen sollten.

Große Meriten erwarb sich Glaser als Organisator der ersten bayerischen Landesausstellungen. Die Schau "Max Emanuel. Bayern und Europa um 1700" lockte 1976 enorm viel Publikum in das Schloss Schleißheim. Ein Riesenerfolg war auch die 1980 in München und Landshut gezeigte Ausstellung "Wittelsbach und Bayern". Seit 1977 machte Glaser als leitendes Mitglied des Instituts für Bayerische Geschichte der LMU München Generationen von Lehrern mit den Grundlagen der Geschichtsdidaktik vertraut. "Die politische, gesellschaftliche, kulturelle und bildende Dimension von Erinnerung, historischem Bewusstsein und Geschichtsarbeit war ihm ein besonderes Anliegen", sagt Ferdinand Kramer, der aktuelle Leiter des Instituts für Bayerische Geschichte.

Nach der Pensionierung und überschattet vom Tod seiner Tochter, trieb Glaser zwei bedeutende Editionsprojekte voran. Zum einen eine mehrbändige Ausgabe des Briefwechsels zwischen König Ludwig I. und dem Architekten Leo von Klenze, zum anderen Ludwigs Briefwechsel mit seinem Kunstagenten in Italien, Johann Martin Wagner. Die Genese der im 19. Jahrhundert entwickelten Kunstsammlungen und Denkmäler und damit auch des Kulturstaats Bayern kann darin erhellend nachvollzogen werden.

Im Jahr 1961 wurde Glaser zunächst an die Ruhruniversität Essen berufen. Von 1967 bis 1971 fungierte er als Präsident der Pädagogischen Hochschule Ruhr. Unter anderem wirkte er 1990 bei der Konzeption des Deutschen Historischen Museums in Berlin mit, seit 1973 war er Mitglied des Landesdenkmalrats in Bayern. Und seit 2003 gehörte er der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften an.

Der aus Schweinfurt stammende Glaser lebte in Freising. Die Geschichte der Bischofsstadt erforschte er gemeinsam mit dem Historischen Verein Freising immer wieder. "Intellektuelle Weite und Forschung im Konkreten, zu Bayern, seiner Geschichte in europäischen Bezügen und seinem wittelsbachischen Erbe gehörten für ihn unabdingbar zusammen", würdigt Ferdinand Kramer den Historiker Glaser, der am Montag im Alter von 90 Jahren gestorben ist.