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Nach Tierquälerei-Vorwürfen:Glauber will mehr Tierschutz

Der Minister verspricht schärfere Kontrollen von großen Bauernhöfen

Nach den Tierquälerei-Vorwürfen gegen einen Allgäuer Milchviehbetrieb will Bayerns Verbraucherschutzminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) neue Kontrollstrukturen für Großbetriebe. "Hier handelt es sich nicht mehr um Landwirtschaft, hier geht es um eine industrielle Produktionsform", sagte Glauber. Dafür sei "eine neue Qualität bei Tierschutzkontrollen" nötig. Der Minister erklärte, bei den Kontrollen müssten industrielle Maßstäbe angelegt werden. "Verstöße gegen den Tierschutz sind nicht hinnehmbar." Dies sei auch im Sinn der kleinen landwirtschaftlichen Betriebe, "die die Verantwortung für ihre Tiere sehr ernst nehmen". Die Experten des Ministeriums erarbeiteten gerade ein Paket, wie künftig mit großen Unternehmen umgegangen werden soll. Dieses will der Minister dann schnell umsetzen.

Die Tierrechtsorganisation "Soko Tierschutz" hat in dem Großbetrieb in Bad Grönenbach (Kreis Unterallgäu) über vier Wochen hinweg schwere Misshandlungen von Rindern dokumentiert. Die Aufnahmen zeigen, wie Kühe wie leblose Gegenstände von einem Ort zum nächsten geschleift werden oder in einem Krankenstall verenden. Außerdem ist zu sehen, wie eine lebende Kuh mit zusammengebundenen Beinen an einer Baggerschaufel über ein Gatter gezerrt wird und mit dem Kopf am Boden aufschlägt. Die Staatsanwaltschaft Memmingen ermittelt in dem Fall. Die Nachforschungen werden sich aber nach Angaben eines Sprechers noch über Wochen hinziehen. Der Milchviehbetrieb war auch am Donnerstag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Wie eine Anfrage der Landtags-SPD an die Staatsregierung ergab, sind in dem Allgäuer Betrieb in der Vergangenheit zahlreiche Kälber verendet. Nach amtlichen Zahlen starb in den vergangenen fünf Jahren etwa jedes fünfte Kälbchen in dem Großbetrieb. Dies ergibt sich aus der Antwort des Ministeriums, das die Zahlen des zuständigen Landratsamts zusammengestellt hat. Demnach wurden seit Mitte 2014 auf dem Hof 9257 Kälber geboren, davon verendeten 1790 (19,3 Prozent). In den Jahren 2017 und 2018 lag die Sterblichkeit deutlich über der 20-Prozent-Marke, im laufenden Jahr ist sie dann auf 15,3 Prozent gesunken. Nach dem jährlichen Milchreport Bayern von der Landesanstalt für Landwirtschaft lag die Zahl der "Kälberverluste" von 2014 bis 2017 landesweit zwischen 9,0 und 9,7 Prozent. Die Totgeburten sind darin enthalten. Der Milchreport für 2018 liegt noch nicht vor.

Die SPD-Tierschutzexpertin Martina Fehlner warf den staatlichen Verbraucherschützern vor, nicht rechtzeitig auf die hohe Zahl von Kälbchenkadavern reagiert zu haben, obwohl 2017 und 2018 rund ein Viertel aller jungen Tiere verendet sei. "Es liegt nahe, dass hier etwas nicht in Ordnung ist. Warum die Kontrollbehörden hier nicht frühzeitig eingegriffen haben, ist völlig unverständlich", meinte sie. Ihr Fraktionskollege Florian von Brunn kritisierte scharf, dass das Landratsamt Unterallgäu bei den Kontrollen in den letzten fünf Jahren offenbar nie durch die Spezialeinheit oder das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit unterstützt worden sei. Das sei bei so einer Massentierhaltung nicht nachvollziehbar. Ein Sprecher des Verbraucherministeriums sagte dazu, der Sachverhalt werde "umfassend aufgeklärt". Die örtliche Veterinärbehörde werde personell unterstützt.