Halbes Jahr nach Verurteilung Dachauer Todesschütze im Gefängnis gestorben

Die Chronik des Falls

Mitten im Gerichtssaal des Amtsgerichts Dachau feuerte er um sich und traf einen jungen Staatsanwalt tödlich. Nun wird Rudolf U. in München der Prozess gemacht. Der schwerkranke Angeklagte verfolgt den Prozess von einem Krankenbett aus. Nun ist er gestorben. mehr...

Wegen seiner Diabetes-Erkrankung waren ihm schon in der U-Haft beide Beine amputiert worden, seinen Prozess verfolgte er von einem Bett aus. Nun ist der Dachauer Todesschütze, der im Gericht einen Staatsanwalt erschossen hat, im Gefängnis gestorben.

Der Todesschütze von Dachau ist tot. Der schwer diabeteskranke 56-Jährige sei in der Nacht zum Sonntag im Gefängnis in München-Stadelheim gestorben, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch - und bestätigte damit einen Bericht des Bayerischen Rundfunks.

Der insolvente Kleinunternehmer war im Januar 2012 wegen Sozialbetrugs vor dem Dachauer Amtsgericht gestanden - und hatte eine Pistole hineingeschmuggelt. Während der Urteilsverkündung erschoss er einen 31-jährigen Staatsanwalt. Auch den Richter und den Protokollführer versuchte er zu töten. Das Landgericht München hatte ihn deshalb zu lebenslanger Haft verurteilt und wegen der besonderen Schwere der Schuld eine Freilassung nach 15 Jahren ausgeschlossen.

Wegen seiner Diabetes-Erkrankung war Rudolf U. schon in der Untersuchungshaft ein Bein amputiert worden. Zunächst sah es so aus, als bliebe seine Tat ungesühnt: Die Amputation seines zweiten Beines lehnte der Mann zunächst ab, er verweigerte nun jede medizinische Hilfe. "Mein Mandant hat schon vor Monaten erklärt, er wolle nicht mehr leben", erklärte sein Verteidiger damals. Ein Gutachter erklärte den Angeklagten schließlich für verhandlungsunfähig, ein erster Prozesstermin platzte.

Schließlich stimmte Rudolf U. überraschend doch der Amputation seines zweiten Beins zu. Den Prozess verfolgte er nun im Krankenbett. Steinkraus-Koch sagte am Montag, bei dem Häftling gebe es keinen Hinweis auf Fremdverschulden oder Suizid als Todesursache. Dennoch wird die Staatsanwaltschaft die Leiche obduzieren lassen.

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Eine indirekte Fortsetzung findet der Fall Rudolf U. im August vor dem Münchner Amtsgericht. Dem stellvertretenden Leiter der JVA Stadelheim, Jochen Menzel, wird Verrat von Dienstgeheimnissen und Verletzung des persönlichen Lebensbereichs vorgeworfen. Menzel soll im Oktober mit der Bild-Zeitung über den schlechten Gesundheitszustand U.s gesprochen haben, als der in der U-Haft die Behandlung eines absterbenden Beines verweigerte.