Nach Kriegsende Beharrliches Schweigen

Die Berichte der Pfarrer schufen die Grundlage für die Recherche von Saalfrank und Marsen. In der Folge stießen sie noch auf manch weiteres Schriftstück aus dem Frühsommer 1945, das Zeugnis ablegte von sexueller Gewalt, von Angst und Terror. Die Kabarettistin Ursula Herking erwähnt beispielsweise in ihrer Autobiographie ihre Vergewaltigung durch Amerikaner nahe Deggendorf.

Das blutige Ende des Weltenbrandes

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Recht bald merkten Saalfrank und Marsen aber auch, dass es bei Gesprächen mit Opfern weitaus schwieriger war, etwas über die schrecklichen Ereignisse zu erfahren. "Da haben wir viel Widerstand erlebt", sagt Frau Saalfrank. Oftmals gelang ein Kontakt überhaupt nur über Vertrauensleute aus dem familiären Umfeld der Betroffenen.

Leben in ständiger Angst

Eines Tages erlebten die Journalisten, wie eine Frau lebhaft über ihre Erlebnisse zu erzählen begann. Bis sie plötzlich zusammenbrach. "Das ist eine typische Reaktion", sagt Frau Saalfrank.

"Zuerst erzählen die Opfer, als wäre es eine fremde Geschichte. Dann kommt der Punkt, da geht es nicht mehr weiter."

Ein andermal erfuhren sie von einer Frau, die als Mädchen eine Massenvergewaltigung durch SS-Soldaten erlebt hatte. Sie bekamen aber keine Gelegenheit, mit ihr ins Gespräch zu kommen. Die Frau schweigt beharrlich, da einer der Täter immer noch im Nachbarort wohnt. Seit dem Kriegsende lebt sie in Angst vor ihm.

Wie viele Opfer und Täter es gab, wird sich wohl nie klären lassen. Nach Schätzungen könnten in der amerikanischen Besatzungszone bis zu 15.000 Frauen vergewaltigt worden sein. Dabei sind die Amerikaner und die Franzosen mit dem Thema sofort offen umgegangen. Die Amerikaner ermittelten laut Saalfrank und Marsen zügig, verhörten die Beteiligten und verhängten sogar Todesurteile. In Flintsbach wurden im Mai 1945 sechs amerikanische Soldaten wegen Vergewaltigung gehängt.

Im Time Magazine wurde schon im Sommer 1945 über sexuelle Gewalttaten amerikanischer Soldaten berichtet. Maximiliane Saalfrank vermutet, dass in US-Militärarchiven noch jede Menge aufschlussreiches Material zu den Vergehen schlummert.

Die Wahrheit hinter den Gerüchten

In Bayern aber wurden die schrecklichen Taten schnell aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt. In Bad Reichenhall, so fanden Saalfrank und Marsen heraus, kam es im Mai 1945 tagelang zu Plünderungen und vermutlich zu mehr als 200 Vergewaltigungen durch französische Soldaten. Aber es ist nichts dokumentiert. Die Wahrheit ist oft nur hinter Gerüchten zu erahnen: Wie sich etwa in einem Café Mädchen verbarrikadiert haben sollen, die dann von französischen Soldaten regelrecht ausgeräuchert und auf der Straße abgefangen worden seien.

Mittlerweile versuchen Neonazis, das Thema mit ihrer Propaganda zu besetzen. Vor kurzem verteilte die NPD im Berchtesgadener Land Flugblätter, in denen sie die vermeintlichen Kriegsverbrechen der Alliierten beim Einmarsch 1945 anprangert. Dass die Alliierten Vergewaltigungen und andere Straftaten ihrer Soldaten im Gegensatz zu den Deutschen nicht gefördert, sondern juristisch verfolgt haben, erwähnt die NPD nicht.