Nach Brand Wie das Straubinger Rathaus aufgebaut wird

Im historischen Rathaussaal sind die bunten Fenster kaputt, "das ist der größte Verlust", sagt die Stadtarchivarin.

(Foto: Armin Weigel/dpa)
  • Vor einem halben Jahr ist das Straubinger Rathaus fast komplett durch ein Feuer zerstört worden.
  • Bis zum Jahr 2021 soll das Gebäude voraussichtlich wieder vollständig restauriert sein.
  • Bei den Rückbau- und Freilegungsarbeiten ​sind mittelalterliche Balkendecken, Stuckdecken oder Bordüren aus früheren Jahrhunderte zum Vorschein gekommen.
Von Andreas Glas, Straubing

Ein halbes Jahr ist es nun her, dass ein gewaltiges Feuer dieses historische Gebäude fast komplett zerstört hat. Seitdem ist das Rathaus eine Baustelle. Das mächtige Gerüst aus Stahlträgern, die grünen Abdeckplanen, der Kran, die Bauhelmträger. Kein schöner Anblick, aber einer, mit dem die Straubinger noch eine ganze Weile leben müssen.

Am Dienstag hat die Stadt bekannt gegeben, dass das Rathaus erst in vier Jahren, 2021, wieder vollständig restauriert sein wird, innen wie außen. Fix ist dieser Zeitplan noch nicht, aber immerhin haben die Straubinger jetzt eine Prognose, wie lange der Wiederaufbau dauert - und eine leise Ahnung, wie das Rathaus dann aussehen könnte. "Wir wollen das Gebäude nicht nur wieder aufbauen, sondern ihm auch seine Würde wiedergeben", sagte CSU-Oberbürgermeister Markus Pannermayr.

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Zurzeit werkeln im Inneren der Rathausruine noch die Restauratoren und die Archäologen, bis heute ist das gesamte Ausmaß der Zerstörung durch Feuer, Löschwasser und Schimmel nicht abschließend zu beurteilen. Doch während die Schäden immer noch begutachtet werden, hat die Stadt bereits damit begonnen, die europaweite Ausschreibung der Wiederaufbauplanung vorzubereiten. Und bereits im Juli, auch das ist seit Dienstagfrüh bekannt, soll mit dem Aufbau eines neuen Dachstuhls begonnen werden. Hinter der Rathausfassade, sagte OB Pannermayr, werde "mit Hochdruck" gearbeitet.

Dass es ein halbes Jahr gedauert hat, bis die Stadt nun einen Zeitplan für den Wiederaufbau genannt hat, lag zunächst daran, dass die Bauarbeiter damit beschäftigt waren, das ramponierte Gebäude so weit zu sichern, dass keine Gefahr mehr besteht für die vielen Passanten, die täglich im Stadtzentrum unterwegs sind. Anschließend sei es darum gegangen, "historische Befunde durchzuführen, damit nichts verloren geht. Das war zeitaufwendig", sagt die Straubinger Stadtarchivarin Dorit-Maria Krenn.

Und jetzt? Herrscht in Straubing eine Aufbruchstimmung, die fast euphorisch wirkt. "Sehr spannend" sei das alles, sagt Stadtarchivarin Krenn, die dem Brand mittlerweile "etwas Gutes abgewinnen" kann. Das Feuer hat ja nicht nur Wertvolles zerstört, sondern auch Decken, Bodenaufbauten und Wände, die erst im Lauf der vergangenen Jahrzehnte eingezogen wurden, um neue Büros für den nach und nach gewachsenen Verwaltungsapparat zu schaffen. Nun, da die Rathausmauern komplett freigelegt wurden, seien alte, längst vergessene Schätze wieder zum Vorschein gekommen, sagt Krenn.

Mittelalterliche Balkendecken, Stuckdecken, Wandgemälde, Bordüren aus früheren Jahrhunderten, all dies haben die Rückbau- und Freilegungsarbeiten wieder zugänglich gemacht. "Diese fantastische Raumstruktur, das Barocke, das Mittelalterliche, das Repräsentative, all das ist erst jetzt wieder spürbar", sagt Krenn, die mit ihrer Prognose noch weiter geht als OB Pannermayr: "Ich glaube, dass man dem Gebäude sogar wieder mehr Würde geben kann", als es unmittelbar vor dem Brand hatte.

Trotzdem bedauert die Archivarin natürlich, dass manches wohl nicht wiederhergestellt werden kann: die großen Wandgemälde, vor allem aber die bunten Fenster im zerstörten Rathaussaal, die sogenannten Wappenscheiben. "Die waren ja so toll", sagt Dorit-Maria Krenn, "das ist der größte Verlust."

Beim Wiederaufbau wird es also darum gehen, möglichst viel historische Substanz zu erhalten, und "das Wiederentdeckte sichtbar zu machen", das jedenfalls hofft die Stadtarchivarin. Wie viel das neue Straubinger Rathaus am Ende kosten wird, ist derzeit noch völlig unklar. Von 15 bis 20 Millionen Euro war bislang die Rede, aber das ist eine sehr unsichere Schätzung. Den Großteil der Kosten für den Neuaufbau wird wohl die Versicherung zahlen, "das hat sie schon signalisiert", sagt ein Stadtsprecher, auch der Freistaat hat finanzielle Hilfe zugesagt.

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