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Museum:Warum konnte Speer mit seiner Legende so lange durchkommen?

Vier Wochen vor Beginn der Speer-Schau hat Alexander Schmidt der SZ ein Interview gegeben. Eines der Hauptziele der Ausstellung sei es, zu zeigen, warum Speer mit seiner Legende vom unschuldigen Technokraten so lange durchkommen konnte in der Bundesrepublik. "Eine Antwort darauf ist: Man hat den Opfern sehr wenig zugehört nach dem Krieg - lieber hörte man sich die tollen Geschichten von Speer an." Dem Täter also gehörte die Aufmerksamkeit. Nicht den Opfern.

Hat sich daran wirklich Grundlegendes geändert? Angesichts zweier imposanter Ausstellungen in Nürnberg könnten einen Zweifel beschleichen. Natürlich: Bei Lurie, im Neuen Museum, geht es um Kunst, schwer verdauliche zumal. Andererseits wird dort die Geschichte eines Holocaust-Opfers mehr als nur einprägsam erzählt.

Im Dokuzentrum wiederum steht nicht die Person Speer im Vordergrund, sondern diejenigen, die Beweise in der Hand halten, was dieser Mann für Lügen in die Welt setzte. Trotzdem bleibt ein flaues Gefühl: Ist die Geschichte des Täters immer noch interessanter als die eines Opfers?

Der Historiker Schmidt freut sich über die Publikumsresonanz, klar, und er freut sich darüber, dass nun so viele ihre Speer-Bücher aus den Regalen nehmen und dem Dokuzentrum zur Verfügung stellen. Genauso sehr aber ärgere es ihn, sagt er, "dass die Lurie-Ausstellung so wenig Besucher hat". Schmidt hält sie für die "seit Langem relevanteste Kunstausstellung in Nürnberg". Noch eine Woche, bis 18. Juni, könnte man den Besuch nachholen.

© SZ vom 10.06.2017/mkro

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