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Museum für Kommunikation:Stilles Örtchen? Nicht immer...

In Nürnberg gibt es eine sehenswerte Toiletten-Ausstellung. Gezeigt wird sie in zwölf mobilen Klohäuschen.

Kolumne von Olaf Przybilla

Der olfaktorische Text, der Artikel also mit digitaler Geruchsbeilage, ist noch nicht weit verbreitet, was man an dieser Stelle nicht bedauern muss. Es war, um hier gleich voll in die Sache reinzugehen, vor einem Vierteljahr, als an der Grenze zwischen Fürth und Nürnberg ein mobiles Klohäuschen explodierte. Das Ganze war irgendwie lustig. Wie es in dieser Straße aussah und wie es roch, kann ohne Ausflug in die Weiten der Fäkalsprache nicht wahrheitsgemäß wiedergegeben werden.

Leicht gruselig war das Ganze aber auch, und ist es noch immer: Warum sich da ein randvoller Abort über Hunderte Meter ergossen hat - wir wissen es nicht.

Spezialisten vom Landeskriminalamt (LKA) haben sich nun schon Monate lang mit der Causa herumgeschlagen, mit ernüchterndem Ergebnis. Ob Sprengstoff im Spiel war? Kann sein, aber gefunden wurde keiner. Ein Kurzschluss? Nein. Menschliche Gase? Um Himmels willen, alle Fachleute schließen das grundsätzlich aus. Wohlgemerkt: grundsätzlich.

Es gibt aber, zum Glück, auch Gewissheiten in dem Fall. Und zwar vom Mobiltoilettenfachanbieter Dixi, der am Tag nach der WC-Wallung eine polizeiliche Erstmeldung richtigzustellen bat, in der ein detoniertes "Dixi-Klo" beschrieben wurde. Was den Leuten von Dixi enorm wichtig ist: In Franken ist ein mintgrünes Klo explodiert, das kann kein Dixi gewesen sein, weil Dixis "strahlend blau" sind, wie der Chefsprecher zu Protokoll gab. Das Explosions-Klo muss folglich von einem Mitbewerber gewesen sein.

Damit von den Mysterien an der Stadtgrenze direkt hinein nach Nürnberg-City ins Museum für Kommunikation, wo seit Mittwoch zwölf mobile Klo-Kabinen zu besichtigen sind. Auch hier sind es keine original Dixis, sie sehen für den Laien lediglich so aus. Die Ausstellung trägt den Titel "Besetzt" und erzählt in jenen Kabinen die Geschichte des sogenannten stillen Örtchens, das von schlimmeren Explosionen üblicherweise eben gerade nicht heimgesucht wird: ein Ort des Rückzugs, der Kontemplation, der Fortpflanzung. Und der Kommunikation.

Man kann viel lernen in der Schau, etwa über geschlechtsspezifische Unterschiede beim Klo-Spruch. Geheimnisse werden auf diesem Örtchen wohl trotzdem immer bleiben. Nicht nur fürs LKA.

"Besetzt! Geschichten im stillen Örtchen." Bis 2. Juli im Museum für Kommunikation, Nürnberg. Öffnungszeiten und weitere Infos hier.

© SZ vom 06.04.2017/sim
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