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Museum der bayerischen Könige:Fasanenwürstel und Prinzregententorte

Eroeffnung Museum der Bayerischen Koenige  / Preview

Tafelaufsatz aus vergoldeter Bronze: Die 40 Einzelteile erzählen die Nibelungensage und stehen auf einem weißen Tisch - erstaunlicherweise vollkommen frei ohne störende Glasvitrine.

(Foto: JOHANNES SIMON)

Es ist das schönste Museum in ganz Deutschland", schwärmt Museumsleiterin Luitgard Löw. Ihre Begeisterung ist erklärbar: Zuvor war die habilitierte Archäologin und Volkskundlerin im Nordkap-Museum tätig. "Da haben wir Filzstiefel und Ölhäute ausgestellt, und jetzt kann ich den Georgiritter-Mantel zeigen, den Ludwig II. getragen hat."

Das Museum wird langfristig etwa 20 Mitarbeiter beschäftigen, es ist wohlgemerkt ein Privatmuseum, getragen vom WAF. "Das ist ein Draufzahlgeschäft", sagt Luitpold Prinz von Bayern. Dafür kann die Familie aber zeigen, was sie will: So wird in dem Museum auch deutlich demonstriert, dass die Wittelsbacher im Volke meist sehr beliebt waren: "Luitpold war der meistbeschenkte Monarch seiner Zeit", betont Elisabeth von Hagenow. Natürlich sind die kostbaren Präsente zahlreich ausgestellt.

Das Ende der bayerischen Monarchie wird symbolisiert durch das 326-teilige Service, das König Ludwig III. und Marie Therese von ihren neun Kindern im Februar 1918 zur Goldenen Hochzeit bekamen.

Jedes Geschirrteil zeigt ein anderes Motiv, mit dem das Ehepaar Erinnerungen verbindet. Die Einzelteile aus der Nymphenburger Porzellan-Manufaktur waren bislang nur einmal kurzfristig ausgestellt. Sie bedecken alle vier Wände bis unter die Decke. Dies zeigt das Ausmaß dieses Geschenkes - und die Realitätsferne der Familie; denn wenig später wurde Ludwig bei der Novemberrevolution als König für abgesetzt erklärt.

Sein Sohn, Kronprinz Rupprecht, musste nach Italien fliehen, als die Nazis die Macht übernommen hatten. Seine Familie wurden in Sippenhaft genommen und ins Konzentrationslager Flossenbürg gebracht. Dort lebten sie als "Sonderhäftlinge" in eigenen Häusern - die Häftlingsuniformen und die Armtätowierung blieb ihnen erspart. Aber sie blieben bis 1945 eingesperrt.

Die heute lebende Generation der Wittelsbacher meidet die Öffentlichkeit recht konsequent. In der Ausstellung äußern sich wenigstens die älteren Semester in Interviews. Später sollen auch die jüngeren Nachfahren zu Wort kommen. Ob, wann und wie diese Ankündigung umgesetzt wird, darf mit Spannung erwartet werden. Denn bislang geben sie sich ausnahmslos zurückhaltend.

Am Ende des Rundgangs erwartet den Besucher der obligatorische Museums-Shop. Das geplante Hotel ist dagegen noch nicht bezugsfertig. Dafür wird das Restaurant an diesem Samstag eröffnet. In der "Alpenrose am See" kredenzt Küchenchef Alexander Zimmermann unter anderem die Prinzregententorte. "Die hat neun Schichten - eine für jedes Kind von Ludwig I.", so Zimmermann. Zudem serviert er - nach Originalrezept von Leibkoch Johann Rottenhöfer - die Lieblingsspeise des Märchenkönigs: Fasanenwürstel.

Wissenswertes für Besucher:

Eintrittspreise: 8,50 Euro, ermäßigt 7 Euro. Kinder bis fünf Jahre frei. Es gibt Kombitickets mit den Schlössern.

Öffnungszeiten: täglich von 9 bis 18Uhr.

Führungen: 1,50 Euro zusätzlich. Fachspezifische Führungen - auch für Kinder und Schüler - werden angeboten.

Audioguides: in Deutsch und Englisch. Später sind sieben Sprachen geplant.