Museum der bayerischen Könige Begehbarer Stammbaum

Das Ergebnis kann sich sehen lassen - in musealer, architektonischer und auch touristischer Hinsicht. Denn schon vor dem Museumsportal wird klar: Die Alpseestraße 27 ist eine der schönsten Adressen Bayerns. Höchste Zeit, dass sie wiederbelebt wird.

Bis zuletzt wurde geputzt, um das einstige Grandhotel Alpenrose für die Öffnung des Museums auf Hochglanz zu bringen.

(Foto: JOHANNES SIMON)

Das Berliner Architekturbüro Staab hat die Umgebung geschickt in ihre Pläne einbezogen: Wer das großzügige Museumsfoyer - ehemals der Speisesaal des Grandhotels - betritt, läuft gleichsam direkt in den Alpsee hinein; denn dieser spiegelt sich in der Rückwand des Raumes. Es ist nicht die einzige Stelle, an der das Museum mit einem Ausblick auf den See oder die zwei Schlösser überrascht.

Doch zunächst gilt es, das Palmenhaus zu bestaunen - ein nobler Raum, ganz in Blau gehalten, mit Steinboden-Mosaik, Kachelofen, Wandmalereien und einer Glasdecke. Hier will der WAF Empfänge, Vorträge und Symposien veranstalten.

Die Ausstellung selbst beginnt im Obergeschoss unter dem dreischiffigen Stahlgewölbe: Im Zentrum glänzt der "Saal der Könige" mit einem prächtigen Tafelaufsatz aus vergoldeter Bronze: Die 40 Einzelteile erzählen die Nibelungensage und stehen auf einem weißen Tisch, erstaunlicherweise vollkommen frei ohne störende Glasvitrine. Aber Vorsicht, wer den Schalen, Gefäßen und Kerzenständern zu nahe kommt, löst die Alarmanlage aus.

Im zweiten Schiff befindet sich der "begehbare Stammbaum", der die Geschichte einer der ältesten Dynastien Europas nacherzählt. Der Besucher kann die Darstellung sehr flott abschreiten. Oder er taucht an den Bildschirmen in die Datenbank ein, die die Lebensgeschichte jedes einzelnen Wittelsbachers erzählt.

Das dritte Schiff ist der schlichteste und genialste Teil des Museums: Ein 21 Meter breites Panoramafenster gibt linkerhand den Blick auf den Alpsee frei. In den verspiegelten Fensterrahmen erscheint gleichzeitig Schloss Hohenschwangau, obwohl dieses hoch droben rechts auf dem Berg steht. Ein optischer Trick, der zum Verweilen auf der Ruhebank geradezu zwingt.

Es ist die einzige Ruhebank im Touristendreieck Neuschwanstein-Hohenschwangau-Alpenrose, auf ihr kann man Kraft sammeln für die anspruchsvollen weiteren Themen-Kabinette. Diese behandeln die Bau- und Kunstpolitik, das Zeitalter der Technik, das Ende der Monarchie, die Ära des Nationalsozialismus, und - wenig überraschend - den Mythos Ludwig II. Viele Exponate stammen aus dem Magazin des WAF, einige aber auch aus Privatbesitz der königlichen Familie sowie aus dem sogenannten "Geheimen Hausarchiv".