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Bairisch als Anlass für Diskriminierung:"Vorurteil steckt tief drin in den Genen"

Auffallend ist diesbezüglich, dass diese sprachliche Normierung in einem starken Kontrast zur sonstigen Entwicklung des Landes steht. Die Süddeutschen, wundert sich König, hegen den Anspruch, die besten Wirtschaftsdaten, die wenigsten Schulden, die besten Schulen und Eliteuniversitäten zu besitzen, aber Deutsch können angeblich nur die anderen.

Diesbezüglich werde der Süden von einem tiefen Minderwertigkeitsgefühl geplagt. Dabei war im 19. Jahrhundert selbst die Aussprache der gebildetsten Menschen stark von der Mundart geprägt. Sogar Münchner Professoren sagten da noch ganz selbstverständlich Huat (Hut), guat (gut) und miad (müde), Ausspracheformen, die seit tausend Jahren üblich waren. Heute stellen norddeutsche Varietäten auch in Süddeutschland die Norm dar, in den Kindergärten und Schulen herrscht deshalb ein großer Anpassungsdruck.

"Mir wäre am liebsten ein Gesetz wie in Norwegen, das verbietet, Kinder wegen ihrer Aussprache zu kritisieren", sagt König. Die Gesellschaft habe inzwischen ein Bewusstsein dafür entwickelt, dass man Menschen nicht wegen ihres Geschlechts oder ihrer Hautfarbe benachteiligen darf, es gebe aber keine Diskussion darüber, dass in Deutschland andauernd Menschen wegen ihrer Sprache diskriminiert werden. König verweist dabei auf das Grundgesetz (Artikel 3), wonach niemand "wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft benachteiligt oder bevorzugt werden darf".

Was aber ist dann echtes Deutsch? "Ich weigere mich, das zu definieren, weil alle Varietäten gleichwertig sind", antwortet König. Auch das heute gebräuchliche Hochdeutsch sei ein Dialekt, der in Süddeutschland erfunden, von Luther übernommen und popularisiert und dann in Norddeutschland über die Theatersprache und den Duden zur Norm erhoben worden sei. Kritisch beurteilt König deshalb die Werbekampagne des Landes Baden-Württemberg, die damit kokettiert: "Wir können alles. Außer Hochdeutsch." Es ist einer der meistprämierten Slogans, den die deutsche Werbewirtschaft hervorgebracht hat.

"Er hat aber großen Schaden angerichtet", sagt König. Man verleugne damit seine Sprache und Identität, "im Land von Schiller und Hölderlin kann man sehr wohl Hochdeutsch. Und da Schwäbisch nach allgemeiner Erkenntnis ein hochdeutscher Dialekt ist, ist der Satz schlicht und einfach falsch." Richtig hieße er laut König: "Wir können alles. Außer Norddeutsch!"

Kratzers Wortschatz

Singsang vor der Haustür