Als die Preisverleihung im Max-Planck-Saal des Akademischen Gesangsvereins in München gerade Fahrt aufnimmt, zitiert der Journalist Uli Karg in seiner Laudatio auf den BR-Kollegen Hans Hinterberger eine Szene aus „Die Wirtshausretter“. Klosterschwester Roswitha spricht darin über ihre quasi göttliche Mission: „Es soll gut weitergehen und nicht alles zusammenfallen.“ Gemeint ist die Renovierung des Bräustüberls in Au am Inn, worüber Hinterberger eine 13-teilige Serie gedreht hat und dafür in wenigen Minuten mit dem Förderpreis ausgezeichnet werden wird. Unbewusst trifft Schwester Roswitha, die im Publikum sitzt, damit aber auch den Kern des Dieter-Wieland-Preises selbst: Menschen zu ehren, die sich dafür einsetzen, dass nicht alles in sich zusammenfällt. Dass Denkmäler, Kulturlandschaften und Traditionen nicht verloren gehen, sondern dass es eben: gut weitergeht.
Der nach dem preisgekrönten Heimat-Dokumentarfilmer benannte Journalistenpreis wurde am Dienstag zum zweiten Mal vom Landesverein für Heimatpflege verliehen und ist mit 15 000 Euro dotiert. Den zweiten Förderpreis erhielt die freie Journalistin Rosemarie Füglein für ihr Radio-Feature „Wildblumenblues“, das von Siedlungswahn und Artenschwund im unterfränkischen Volkach handelt. Nach 20 Jahren kehrte sie in ihre alte Heimat im Steigerwald zurück und legte sich mit Bürgermeister und Verwaltung an. Ihr Motto, frei nach Max Frisch: „Nicht müde werden, zornig bleiben.“
Mit dem Hauptpreis zeichnete die Jury Josef Winkler aus, der seit 14 Jahren MUH verantwortet, ein „Magazin für bayerische Aspekte“. Laudator Rudolf Neumaier, Geschäftsführer des Landesvereins für Heimatpflege, würdigte ihn als Journalisten, „der leidet und das auch zur Schau trägt“. Diese „schonungslos positive Art von Exhibitionismus“ sei jugendhaft, erfrischend und „fürchterlich provozierend“. Winkler schreibe „sehr lange E-Mails, selbst bei eher knappen Sachverhalten“, was sich in Zeitnot beim Produzieren des Magazins räche. Neumaier treibt deshalb stets die Sorge nach Winklers Blutdruck um. Trotz Weltschmerz, Furor und miserablem Zeitmanagement gehe Winkler stets mit einem freudigen „Hallihallo“ ans Telefon – ein wahrer „Rupertiwinkler Pfiffikus“.
Kaum ausgesprochen, bekräftigt Winkler die Anekdoten Neumaiers. Irgendwie komme ihm der zuvor geehrte Wildblumenblues bekannt vor: „Ah, da habe ich noch eine halbfertige E-Mail offen!“ Und so entstehe sein Magazin, „indem man Leuten, die man kennt oder nicht kennt, Mails schreibt“. Nach vielen Jahren beim Popmagazin Musikexpress begann er 2010 mit Nicole Kling und Stefan Dettl ein „Papier über Bayern“. Das meint er wörtlich, bis heute erscheint die MUH vierteljährlich nur gedruckt. Die Dokumentarfilme von Dieter Wieland haben schon als Kind seinen Blick auf die Heimat geprägt. „Mich treibt das um. Ich kann mich da nicht locker machen“, sagt er.
In der anschließenden Gesprächsrunde kommt der 87-jährige Wieland selbst zu Wort. Bei der Frage, wie viel Mensch im Journalismus durchscheinen soll, verweist er auf seine eigene Geschichte: Nur durch Zufall sei er in den 60er-Jahren zum Bayerischen Fernsehen gekommen. „Ich habe nie gelernt, was ich mache – vielleicht war das ein Glück.“ Bei allen Preisträgern habe er gesehen, wie es ihnen nicht nur um die „Story“ gehe, sondern um die Menschen dahinter. Das Thema Heimat sei nun mal persönlich, „weil es wehtut, zuschauen zu müssen, was alles verloren geht“, sagt er. Die Runde nickt zustimmend. Rosemarie Füglein ergänzt, dass man in der eigenen Heimat zwangsweise „nah dran“ sei, der Verlust schmerze dadurch umso mehr: „Da habe ich auch den Dieter-Wieland-Blick auf die Dinge.“

