Mitten in Miesbach:Stillstand im Wasserfall

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Miesbachs Bürgermeister Gerhard Braunmiller übergibt die Petition an Ilse Aigner und Alexander Flierl (von rechts). Die sagen, sie wollten sich kümmern. (Foto: Matthias Köpf)

Im ewigen Streit über ein größeres Schutzgebiet für das Trinkwasser der Münchner im Mangfalltal hatten es die Miesbacher eigentlich nie besonders eilig. Nun geht ihnen plötzlich alles viel zu langsam.

Von Matthias Köpf, Miesbach

Politik bedeutet angeblich, dicke Bretter zu bohren. Das soll der Soziologe Max Weber gesagt haben, wobei der die Politik im Original als "starkes langsames Bohren von harten Brettern" bezeichnet hat. Aber unabhängig davon, ob das Brett jetzt dick oder hart ist und wie sich das alles zum steten Tropfen und dem Stein verhält: Manchmal wird das Brett weniger stark gebohrt und dafür umso langsamer. So hat es die Politik mit dem Schutzgebiet für das Trinkwasser von eineinhalb Millionen Münchnern im Mangfalltal gemacht und ist dafür mit großer Ruhe im Landkreis Miesbach belohnt worden. Aber jetzt auf einmal dauert das alles ausgerechnet den Miesbachern viel zu lang.

Nach Ansicht der Behörden ist die Erweiterung des Schutzgebiets nämlich seit 60 Jahren überfällig. Sie werden immer ungeduldiger, sodass man in Miesbach mittlerweile fürchtet, die Regierung von Oberbayern könnte dem Landratsamt das Verfahren entziehen und selbst zu Ende bringen. Die Miesbacher hatten lange versucht, die Sache nach Kräften zu verzögern, doch mit einem Gutachten hatten sie sich selbst in Schwierigkeiten gebracht.

Wirklich betroffen waren lange nur die Stadt Miesbach wegen ihres Gewerbegebiets sowie drei landwirtschaftliche Betriebe, deren Kühe im Mangfalltal knapp über dem Grundwasser grasen. Nur hat der Landkreis dann dieses Gutachten bestellt, und das hat zwar wunschgemäß ergeben, dass die stoffwechselnden Kühe nicht das Problem darstellen sollten - aber dafür die Kläranlagen für das Schlierachtal bei Miesbach und das Tegernseer Tal bei Gmund.

Das hat den Kreis der Betroffenen deutlich erweitert. Die beiden Abwasserzweckverbände sahen sich im Falle einer Erweiterung des Schutzgebiets plötzlich von einem hohen Investitionsbedarf bedroht. Sie haben sich darum jetzt einer neuen Petition angeschlossen, die am Dienstag an Landtagspräsidentin Ilse Aigner als Miesbacher Stimmkreisabgeordneten und an deren CSU-Parteifreund Alexander Flierl als Vorsitzenden des Umweltausschusses übergeben wurde. Demnach soll auf staatlicher Seite jetzt endlich wer ein weiteres Gutachten zur Kenntnis nehmen, dem zufolge die Stadtwerke München gar keine alten Rechte am Wasser aus dem Mangfalltal hätten, auf denen sie stets beharren. Die Stadtwerke beharren auch weiterhin darauf. Der Ausschuss werde sich kümmern, sagt Flierl. Einstweilen wird also weiterhin viel Wasser die Mangfall hinabfließen. Nur dass inzwischen alle ungeduldig werden.

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