Als die Fußballer des FC Bayern vor 21 Jahren ihre Fußball-Arena in Fröttmaning bezogen, musste man sich nicht nur an das neue, schmucke Stadion gewöhnen, sondern auch an einen neuen Namen. Nach Jahrzehnten im traditionellen Olympiastadion wurde die Heimspielstätte plötzlich nach einem Sponsor benannt.
Ganz so weit ging man beim neuen, ganz gewiss nicht minder schmucken Münchner Strafjustizzentrum, das diese Woche öffentlich vorgestellt wurde, zwar nicht. Aber auch hier ist die Namensgebung sicherlich gewöhnungsbedürftig.
In dem Gebäude am Leonrodplatz sind das Amtsgericht, die Landgerichte München I und II sowie das Oberlandesgericht untergebracht. Und irgendwie auch ganz Südbayern. Insgesamt gibt es 54 Sitzungssäle. Und diese hat man nicht nur einfach durchnummeriert. Die Räume, in denen je nach Lage künftig Angeklagte im Namen des Volkes verurteilt oder freigesprochen werden, tragen zusätzlich die Namen der einwohnerstärksten Orte der Amtsgerichtsbezirke, die zum Bezirk des Oberlandesgerichts München gehören.
Wer in dem gläsernen Prachtbau, mitten in der bayerischen Landeshauptstadt gelegen, den schweren Gang vor den Richter antreten muss, findet sich schnell in einer ganz anderen Ecke von Bayern wieder. Etwa in Ingolstadt oder Miesbach, in Waldkraiburg, Garmisch-Partenkirchen oder Augsburg.
Ein besonderes System steckt nach Erkenntnissen der Augsburger Allgemeinen nicht hinter der Vergabe der Namen. Welche Stadt welchem Saal zugeordnet wurde, hatte nach Angaben des Oberlandesgerichts nichts mit der jeweiligen Größe zu tun und entsprang demnach eher dem Zufall. Auch dass die ganz bösen Buben ausgerechnet in Schwaben – und das gleich in zwei Städten dieses Regierungsbezirks – verurteilt werden, hat nichts zu bedeuten.

Der größte Sitzungssaal in dem Neubau und damit auch der größte seiner Art in ganz Bayern hat eine Fläche von 280 Quadratmetern. Groß genug also, um darin problemlos zwei Städte unterzubringen. Dieser Schwurgerichtssaal, der auch für die großen, öffentlichkeitswirksamen Prozesse gedacht ist, trägt die Namen Illertissen und Neu-Ulm. Somit sind sich diese beiden Orte nicht nur geografisch sehr nahe, sondern auch Nachbarn in der Welt der bayerischen Justiz.
Die zwei Städte vollends in einen Topf werfen wollte man dann aber doch nicht. Der Saal kann im Bedarfsfall in zwei Teile getrennt werden. Dann werden die einen in Illertissen verurteilt, die anderen in Neu-Ulm – und wer was Größeres ausgefressen hat, in beiden.

