München Pflegekräfte gehen auf die Straße

Die Enttäuschung über die Politik und die Unzufriedenheit sind groß

Es wird laut werden in Nürnberg. Am kommenden Dienstag nämlich gehen Pflegekräfte aus Franken und vermutlich darüber hinaus auf die Straße. Michael Groß, der Sprecher der Veranstalter und zugleich Geschäftsführer des Caritasverbandes Nürnberger Land, nimmt kein Blatt vor dem Mund. Die Pflegekräfte seien enttäuscht, dass Politiker ihre Probleme sowie jene der alten Menschen offenbar immer noch nicht ernst genug nehmen. "Die Unzufriedenheit bei denen, die in der Pflege arbeiten, ist groß", sagt er. Die bisher von der Politik eingeleiteten oder angekündigten Verbesserungen empfänden sie nur als kosmetische Veränderung. Aber auch die Öffentlichkeit nehme die Probleme der Pflegenden zu wenig ernst. "Wir müssen also auf die Straße gehen, weil es sonst keiner tut", sagt Groß.

In Bayern leben gegenwärtig rund 320 000 pflegebedürftige Menschen. Statistiker gehen davon aus, dass die Zahl bis zum Jahr 2030 noch einmal um mehr als die Hälfte anwachsen wird. Viele dieser Menschen würden dann aber nicht nur mit körperlichen Problemen zu kämpfen haben. "Eine große Rolle werden die Demenzerkrankungen spielen", prognostiziert Caritas-Geschäftsführer Groß. Im Jahr 2050 sei deutschlandweit von drei Millionen Demenzpatienten auszugehen. Vor diesem Hintergrund hätten Pflegekräfte allen Grund dazu, selbstbewusst aufzutreten, glaubt Groß. Sie seien schlichtweg unverzichtbar.

Kommende Woche, so verraten die Veranstalter bereits jetzt, wird die Hauptforderung der Demonstranten klipp und klar eine bessere Finanzierung der Altenpflege sein. Sei es in den stationären Einrichtungen, also den Heimen, bereits schwer, den Betrieb so aufrecht zu erhalten, dass dies nicht "auf dem Rücken der Pflegebedürftigen erfolgt", so sei die Situation in der ambulanten Pflege geradezu "prekär". "Trotz jahrelanger Verhandlungen und trotz eines Transparenzverfahrens, in dem die Wohlfahrtsverbände ihre Kosten schonungslos offenlegen, verweigern die Kranken- und Pflegekassen nach wie vor leistungsgerechte Entgelte", sagt Groß.

Bayerns Pflegeministerin Melanie Huml, die ebenfalls zur Demonstration nach Nürnberg kommen will, muss sich also eventuell auf Pfiffe gefasst machen. Dabei, so ihre Meinung, habe die Politik durchaus Leistungen vorzuweisen. "In keiner Legislaturperiode hat sich in so kurzer Zeit in der Pflege so viel getan, und auch in Bayern stellen wir uns unserer Verantwortung" sagte sie. Im Rahmen eines Fünf-Punkte-Planes für eine bessere Ausbildung in der Altenpflege würden nun zum Beispiel die Eckpunkte einer Ausbildungsumlage erarbeitet, um die Kosten der Altenpflegeausbildung gerechter als heute zu verteilen. Auch werde sie sich weiter dafür einsetzen, dass die Nachtwachen in den Heimen besser besetzt werden.