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Landkreis München:Der Trend geht zu Dunkelrot

Mit den steigenden Infektionszahlen verschärfen sich auch die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung.

Mit den steigenden Infektionszahlen verschärfen sich auch die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung.

(Foto: imago images/Ralph Peters)

Der Landkreis München reißt bei der Sieben-Tage-Inzidenz die 100er-Marke, die Infektionszahlen steigen rapide. Und der Pandemiebeauftrage der Starnberger Klinik befürchtet, dass dies bis zum nächsten Frühjahr so bleibt.

Von Karin Kampwerth

Für ein paar wenige Fußballfans hatte es am Vormittag noch ausgesehen, als gebe es grünes Licht für das Derby der Spielvereinigung Unterhaching gegen die Münchner Löwen am Montagabend im Hachinger Sportpark - zumindest für 50 Zuschauer. Doch die Corona-Warnampel, die es in Bayern auch in der Farbe Dunkelrot gibt, führte kurze Zeit später zu der Entscheidung des Gastgebers, gar keine Zuschauer zuzulassen. "Eine logische und vernünftige" Maßnahme sei gemeinsam mit dem Landratsamt getroffen worden, teilte der Verein mit.

Denn seit diesem Montag liegt die Sieben-Tage-Inzidenz für die 29 Kommunen rund um München laut Robert-Koch-Institut (RKI) bei 105,3 Infektionen je 100 000 Einwohner. In Farbe ausgedrückt ist das eben dunkelrot. In Beschränkungen ausgedrückt zieht der Landkreis mit der Stadt München gleich: Sperrstunde um 21 Uhr bei gleichzeitigem Verkaufsverbot von Alkohol und dessen Konsum auf öffentlichen Plätzen. Für öffentliche Veranstaltungen sind nur noch 50 Teilnehmer zugelassen. Aber das wollten die Unterhachinger dann auch nicht mehr riskieren.

Im Gegensatz zum Landkreis München sind die Fürstenfeldbrucker bereits ein eingespieltes Team in dunkelrot. Vergangenen Dienstag wurde der Inzidenzwert dort mit 110,91 angegeben. Eine Woche später nun schien sich das Infektionsgeschehen zu entspannen. Das RKI meldete am Montag, Stand Mitternacht, einen Rückgang der Sieben-Tage-Inzidenz auf 75,2. Das hat dann aber wohl damit zu tun, dass die Übermittlung der Zahlen vom Wochenende stockte. Das örtliche Gesundheitsamt weist am Montagnachmittag eine Inzidenz von 118,64 aus.

Im Landkreis Erding, dessen Infektionsgeschehen laut RKI-Zahlen nach Wolfratshausen (51,6) den zweitgeringsten Wert in der Region ausweist, verschärft sich die Lage in den Grund- und Mittelschulen. 20 Lehrkräfte können in Verbindung mit Corona nicht unterrichten, die Mobile Reserve ist ausgeschöpft. Im Landkreis Freising, der innerhalb einer Woche ein Wachstum von 58,5 auf 63,9 Ansteckungen je 100 000 Einwohner verzeichnet, musste das Eishockey-Landesliga-Derby zwischen dem EV Moosburg und den Freisinger Black Bears wegen einer Corona-Infektion abgesagt werden.

Das Landratsamt weist zudem am Montagnachmittag einen vom RKI deutlich abweichenden höheren Inzidenzwert von 98,8 aus. Für die meisten Landkreise rund um München gilt, dass sich die Frage nach möglichen Infektionsclustern aber nicht eindeutig beantworten lässt. Der Dachauer Landrat Stefan Löwl bezeichnet das Infektionsgeschehen als "diffus". Zu dieser Einschätzung trägt bei, dass das Dachauer Gesundheitsamt ein Drittel der Ansteckungen nicht mehr nachvollziehen kann. Innerhalb einer Woche stiegen die Zahlen von 61,33 auf nun 85,2.

Nur im Landkreis Ebersberg, der mit einem Inzidenzwert von 89,8 dem Wechsel von der roten in die dunkelrote Zone nahe ist, hat man Reiserückkehrer und Familienfeiern als Infektionstreiber ausgemacht.

Auch in den Ausflugslandkreisen Bad-Tölz-Wolfratshausen (51,6) und Starnberg (65,9) steigen die Zahlen. In Starnberg kämpft man quasi bereits gegen die dritte Welle, denn dort hatte es im Januar mit einem Angestellten der Stockdorfer Firma Webasto den ersten Coronafall in Deutschland gegeben. Der Pandemiebeauftragte an der Starnberger Klinik, Florian Krötz, sagt: "Ich befürchte, dass das bis Mai so weitergehen wird."

© SZ vom 27.10.2020/wean
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