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Cafés in München:Diese sechs Ladencafés sollten Sie kennen

Die einen kombinieren Kaffee und Blumen, die anderen bieten neben Cappuccino und Croissants Kosmetikartikel, schneiden Haare und stellen Bilder aus. Es gibt Lokale, die den knappen Raum in der Stadt für sich zu nutzen wissen.

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Kaffee und Blumenladen: Sois blessed

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Quelle: Robert Haas

Viele Kunden, die das Sois Blessed in der Innenstadt betreten, wissen zunächst nicht, was es eigentlich ist: Café? Blumenladen? Boutique? Oder doch ein Einrichtungsladen? Alles zusammen. Oder "eine Inspirationsquelle", wie Inhaberin Ruth Gombert gerne sagt. In Zeiten, in denen viele Menschen online bestellen, will die Münchnerin ihren Kunden ein Erlebnis bieten. "Man kann sich vom Laptop aus alles kaufen", sagt Gombert, "aber die persönliche Begegnung nicht." Mit einem Besuch im Café ist dafür schon mal der Grundstein gelegt. Hier lässt es sich mit einem Kaffee mit Bohnen aus eigener Röstung und einem hausgemachten Granola in den Tag starten.

Die Gäste können sich in Vintage-Sesseln niederlassen. Die Tische sind aus Marmor, die Lampen aus Messing, alles mutet sehr kosmopolitisch an. Der Übergang vom Café zum Blumenstudio ist fließend. Nur wenige Meter weiter arrangiert eine ehemalige Produktmanagerin die Blumen. Mit gewöhnlichen Sträußen hat das aber wenig zu tun. "Unser Stil ist wilder und opulenter", sagt Barbara Brummer. Gerbera und rote Rosen findet man hier nicht. Stattdessen ist Brummer immer auf der Suche nach Exoten, etwa Banksien oder Känguru-Pfoten aus Australien. Auch das so begehrte Pampasgras bietet sie an - in knalligen Farben. Für noch mehr Inspiration findet man einen Tisch weiter ausgewählte Einrichtungsgegenstände, einen Raum weiter exklusive Kleidungsstücke.

Sois blessed, Prannerstraße 10, Telefon 0 89/20 94 18 00, www.soisblessed.com

Janina Ventker

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Nippes und Nutella: White Rabbit's Room

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Quelle: Robert Haas

Willkommen im Wunderland: Das Café White Rabbit's Room an der Franziskanerstraße, wo sich Haidhausen und die Au treffen, entführt seine Gäste einen Kaffee und eine Zimtschnecke lang in die verrückte Welt von Alice, dem weißen Kaninchen und dem verrückten Hutmacher. An den Wänden stehen Zitate aus Lewis Carrolls Buchklassiker, alles ist in Weiß gehalten, jedes Teil irgendwie besonders - vom niedlichen Zuckerdöschen bis zur liebevoll beschrifteten Tafel mit den Tagesgerichten. Das Café ist gleichzeitig auch ein Laden für Küchenzubehör, kleine Einrichtungsgegenstände und hübschen Nippes. Die pastellfarbenen Eierbecher, in denen man sein Frühstücksei serviert bekommt, kann man hier auch kaufen.

Vor sieben Jahren hat Christina Doms das Café eröffnet, das neben Eierspeisen auch süßes Frühstück und Avocadobrot bietet. Das Budget war begrenzt, sie hat viel selbst gemacht. Die Birkenstämme etwa, die den Raum zieren, hat sie mit einer Freundin gefällt. Bei Doms war es kein lang gehegter Traum, ein Café zu eröffnen. Die junge Mutter wollte vor allem eins: selbständig sein.

Auch der integrierte Laden war mehr ein Zufallsprodukt. Doms bekam zunächst nur 39 Sitzplätze genehmigt, für mehr hätte sie eine Ablösesumme an die Stadt zahlen müssen. Um das tote Eck am Eingang zu nutzen, entschied sie sich, dort einen kleinen Laden zu integrieren. Sonntags aber greift das Ladenschlussgesetz - und die Eierbecher müssen im Regal bleiben.

White Rabbit's Room, Franziskanerstraße 19, Telefon 0 89/67 97 11 93, www.white-rabbits-room.de

Laura Kaufmann

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Brote und Bücher: Story Café

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Quelle: Robert Haas

Der ältere Herr aus der Nachbarschaft, etwa Mitte 70, war zunächst skeptisch, was das neue Café an der Ecke Schelling- und Schleißheimer Straße anging, erzählt Betreiberin Charlene Chang. Sie hatte ihn schon oft vorbeigehen sehen, bevor er sich das erste Mal hineinwagte. Als er dann am Tisch saß, vertiefte er sich in seinen Kaffee. Doch als Chang später das Gästebuch aufschlug, fand sie freundliche Worte, die der Gast hinterlassen hatte: "Freut mich, dass das Café jetzt da ist, veredelt unseren Kiez."

Chang lächelt, wenn sie den Eintrag aufschlägt. Denn er zeigt, dass ihr Konzept aufgeht: Ihr Story Café soll eine Anlaufstelle für die Nachbarschaft sein, ein Ort, an dem man einfach nur einen Kaffee trinken kann, arbeiten oder sich austauschen, Geschichten erzählen. Im Mai hat die 53-Jährige aufgesperrt, es gibt Frühstück und Gebäck. Das hübsche Steingut-Geschirr, auf dem die Speisen serviert werden, kann man auch kaufen. Um die Gäste zum Verweilen zu animieren, bietet Chang zudem Bücher zum Schmökern an. Deutsch- und englischsprachige Literatur gibt es, eine Wendeltreppe führt zu einer kleinen chinesischen Bibliothek im Keller. Chang wurde in Taiwan geboren, und ihre Bücher darf sich jeder ausleihen, ganz ohne Gebühr. Um die Menschen zusammenbringen, bietet die Gastronomin im Keller Lesungen für Kinder an: natürlich auch auf Deutsch, Englisch und Mandarin. Die Eltern können derweil in Ruhe einen Kaffee genießen, ratschen, und wenn sie mögen, einen Eintrag im Gästebuch hinterlassen.

Story Café, Schellingstraße 143, Telefon 0 89/23 02 92 62, www.story-cafe-muenchen.de

Janina Ventker

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Kunst und Kuchen: Art'n'Boards

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Quelle: Robert Haas

Einen Ort für die Surferszene zu schaffen und gleichzeitig seine Kunstleidenschaft auszuleben, das war Uli Richters Vision, als er vor acht Jahren das Arts 'n' Boards in Schwabing eröffnete. Ein von Streetartkünstlern gestaltetes Café mit einer Fotowand, an der Eisbachsurfer ihre spektakulärsten Stürze ausstellen konnten, und gleichzeitig eine Galerie. So wollte Richter damals Leute mit Kunst in Berührung bringen, die sonst eher nicht in eine Galerie gehen würden.

Während sie in den gemütlichen Sesseln versinken und einen Schokoladenkuchen essen, betrachten die Gäste also Bilder an der Wand. Bei schönem Wetter sitzen sie in dem verwunschenen Innenhof mit kleinem Biergarten. Uli Richter, er schrieb das erste deutsche Lehrbuch über das Wellenreiten und ist eine Legende unter Surfern, ist mittlerweile verstorben, das Arts 'n' Boards aber lebt weiter. Die Galerie ist momentan in eine Dauerausstellung umgewandelt: Der Münchner Künstler und Karikaturist Bernhard Prinz vertreibt hier seine Werke.

Natürlich ist das Arts 'n' Boards nicht nur Anlaufstelle für Surfer und Künstler, sondern auch für Normalhungrige und -durstige. Und es gibt nicht nur Kaffee und Kuchen hier, das Lokal an der Belgradstraße fungiert auch als Restaurant und als Bar. Montagabend ist zum Beispiel immer Spareribs-Abend, am Sonntag gibt es Brunch: bis 16 Uhr wird hier ausgedehnt gefrühstückt, für 19,90 pro Person.

Arts 'n' Boards, Belgradstraße 9, Telefon 0 89/30 65 84 90, https://www.artsandboards.info

Laura Kaufmann

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Focaccia und Friseur: Herzwerk

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Quelle: Stephan Rumpf

Koffeinhaltige Milchschaumgetränke und fallende Haarspitzen gehören irgendwie zusammen, schließlich wird Kunden bei quasi jedem Friseurbesuch ein Cappuccino angeboten. Obwohl das nicht ideal ist, muss man seine Hand doch umständlich unter dem Umhang hervorkämpfen, um seine Tasse zu erreichen. Und dabei darf man seinen Kopf auch nicht bewegen, damit die Haarpracht nicht schief wird.

Anders im Herzwerk, das vor zwei Jahren in Haidhausen eröffnet hat: Das Herzwerk ist Friseur und gemütliches Café in einem. Den Friseursalon gab es zuerst, und als die Boazn nebenan ihre Pforten schloss, übernahm Friseurmeisterin Marion Ipolyi die Räume kurzerhand, ließ die Wand einreißen und der so entstandene Nebenraum wurde zuerst von ihrer Tochter, mittlerweile von dem Pächter Markus Lindner, bewirtschafteten Café. Zum Frühstück gibt es dort Bio- Eierspeisen, Müsli, vegane Chia-Gerichte und Gebäck, später eine Auswahl an Focaccia, Bowls, Suppen und Currys. Und natürlich servieren sie Kaffee und Kuchen im Herzwerk, gelegentlich finden kleine kulturelle Veranstaltungen oder Winzerabende statt. Der Cafégast also muss sich nicht die Haare schneiden lassen, er kann es sich einfach so mit einem Cappuccino gemütlich machen. Und die mit den frisch geschnittenen Haaren können ihre neue Frisur gleich bei Mittagessen und einem Glas Weißwein feiern.

Herzwerk, Kirchenstraße 90, Telefon 0 89/44 48 93 14, https://herzwerk.cafe/

Laura Kaufmann

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Kaffee und Krämerläden: Café Marais

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Quelle: Robert Haas

Ein Café mit Krämerladen, in dem die Leute hübsche Dinge kaufen konnten, das war schon immer Alexandra Baumanns Traum. "Anders ginge es auch nicht", sagt sie. Ein eigenes Café macht Arbeit, ein eigener Laden macht Arbeit, und das Lokal im Westend ist beides in einem. Das Marais, benannt nach dem Pariser Viertel, zählt sicherlich zu den schönsten Cafés der Stadt. Eröffnet hatte Baumann vor fast 13 Jahren mit zwei Freundinnen, die wie sie an der Oper gearbeitet hatten. Baumann wohnte um die Ecke von dem alteingesessenen Textilfachladen, der neu verpachtet wurde. Die Frauen übernahmen den Raum mit dem Zwanzigerjahre-Interieur und machten sich daran, ihre gemeinsamen Leidenschaften dort auszuleben: "Alte Dinge, schöne Orte, gutes Essen."

Monatelang bauten sie um, kümmerten sich um die Genehmigungen: "Beim Kreisverwaltungsreferat waren sie glaube ich ein bisschen verzweifelt, weil sie auch nicht recht wussten, wo sie uns hin packen sollten. Aber sie haben uns unterstützt." Kaffee, hausgemachte Kuchen und Tartes gibt es im Marais, auch Frühstück und Panini. Aber eben nicht nur das: Die antike Einrichtung lässt sich erwerben, auch andere Möbel wie Kinderbetten oder Schränke. Zu den Sachen, die das Team auf Märkten gefunden hat, kommen die Produkte kleiner Manufakturen, eines französischen Bürstenhersteller etwa oder einer griechische Kosmetikfirma, Schmuck, Kinderspielsachen.

Vor 13 Jahren war das Marais als Ladencafé noch recht einzigartig; die Aroma Kaffeebar fing im gleichen Jahr an, das reine Cafékonzept mit dem Verkauf von Krimskrams und Feinkost zu entwickeln. Heute finden sich mehrere Kleinode mit Doppelnutzung: Ganz neu ist das Fika Kafé an der Nymphenburger Straße, in welchem man ebenfalls Möbel kaufen kann. Insgesamt ist die Kombination Buch und Kaffee sehr gefragt, wie bei "Buch und Bohne" am Kapuzinerplatz oder im "Lost Weekend" an der LMU. Das Two in One kombiniert Blumen und Kaffee. Dazu kommen Bars und Restaurants, die gleichzeitig Galerien sind, oder Cafés mit ausgefallenem Konzept wie das Katzencafé in der Maxvorstadt, in dem die Gäste in der einen Hand einen Cappuccino halten und die andere im Fell der Haustiere versenken. Konzepte zusammenzulegen ist in München alleine schon zwecks Nachverdichtung sinnvoll. Und die Gäste haben einen extra Anreiz vorbeizukommen.

Café Marais, Parkstraße 2, 0 89/50 09 45 52, www.cafe-marais.de

Laura Kaufmann

© SZ.de/zara/amm

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