München Förster werben für einen Nationalpark im Spessart

Von Christian Sebald

Im Streit um einen Buchen-Nationalpark im Spessart haben knapp 80 Förster an Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) geschrieben und für die Ausweisung eines solchen Großschutzgebiets in Unterfranken geworben. "Der Spessart ist für die Verwirklichung dieses Projekts das am besten geeignete Gebiet", schreiben die Forstleute und betonen, dass sie mit ihrem Brief dem Eindruck entgegenwirken wollten, "die Förster seien Gegner eines dritten Nationalparks in Bayern". Zu den Unterzeichnern zählen auch Forstleute aus dem Spessart, etwa Bernhard Rückert, der Stadtförster von Lohr am Main. Die Stadt zählt mit einem Waldbesitz von 4000 Hektar zu den großen Waldeigentümern im Spessart.

Der Brief ist deshalb interessant, weil die Förster als Wald-Experten viele Befürchtungen in der Bevölkerung gegenüber einem Nationalpark nicht gelten lassen. So zum Beispiel die, dass die berühmten Spessarter Eichen in so einem Schutzgebiet dem Untergang geweiht wären. Zwar hätten die Spessarter durch die Jahrhunderte hindurch mit ihrer besonderen Form der Forstwirtschaft dazu beigtragen, dass in der Region deutlich mehr Eichen wachsen als unter natürlichen Bedingungen, heißt es in dem Brief. Aber dort seien auch in der Zeit vor der Forstwirtschaft schon viele Eichen gewachsen. Das Gleiche gelte für die Zukunft. Allein schon weil der Klimawandel die Eiche begünstige, werde die Buche die Eiche niemals verdrängen. Auch die Ängste, ein Nationalpark könnte die Versorgung der Region mit Brenn- und mit Nutzholz gefährden, akzeptieren die Förster nicht. Bisher würden nur Teile des Holzvorrates im Spessart genutzt, etwaige Ausfälle durch einen Nationalpark ließen sich leicht kompensieren. Außerdem sind die Förster überzeugt, dass die örtliche Bevölkerung einem Nationalpark bei weitem nicht so ablehnend gegenüber steht, wie das die Gegner eines solchen Schutzgebietes glauben machen wollten.

Die spannende Frage ist, ob die Intervention der Förster die Nationalpark-Debatte im Spessart noch voranbringen kann. Die Fronten dort sind so verhärtet, dass immer mehr Naturschützer einem Nationalpark kaum noch Chancen einräumen. Ministerpräsident Seehofer hat den Förstern geantwortet, dass er ihren Brief der Zuständigkeit halber an das Umweltministerium weitergeleitet hat.