Musik und DialektVom Polt seim Simma und der Wiederbelebung bayerischer Kultur

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Fabian Frischmann und Mike Huber treffen mit ihrer delinquenten Musi seit Jahren den Geschmack ihrer Fans.
Fabian Frischmann und Mike Huber treffen mit ihrer delinquenten Musi seit Jahren den Geschmack ihrer Fans. (Foto: Robert Haas)

Die niederbayerischen Rapper von „Dicht und Ergreifend“ spielten am Samstag ein Konzert, von dessen positivem Vibe unser Autor auch noch zwei Tage später beseelt ist.

Von Patrick Wehner

Oft kommt es nicht vor, dass man in der Münchner U-Bahn fährt und das einzige Hochdeutsch, das man vernimmt, lediglich den nächsten Halt ankündigt. Am Samstag allerdings war das grundlegend anders. Da konnte man in den gestopft vollen Waggons Richtung Olympiahalle dem Bairischen in all seinen Spielarten lauschen. Von recht dahaut über gebellt bis leicht verwaschen war alles dabei. Und im Hintergrund verschmolz das Geräusch von mit dem Feuerzeug aufgemachten Bierflaschen übergangslos mit der Musik aus einer Bluetooth-Box, in der jemand den Beifahrer eines Bierfahrers besang.

Neben dem Dialekt teilten die zumeist euphorisierten Mitfahrenden noch eine Gemeinsamkeit. Sie alle waren auf dem Weg zum Jubiläumskonzert der Hip-Hop-Band „Dicht & Ergreifend“.

Wer sie nicht kennen sollte: Die zwei aus Niederbayern stammenden Rapper Mike Huber und Fabian Frischmann und ihr DJ Markus Hinkelmann haben vor zehn Jahren quasi über Nacht die Grundfeste der Musikindustrie erschüttert, als sie mit bayerischem Hip-Hop erfolgreich wurden. Ihre Musik füllte eine Lücke, von der man vorher gar nicht wusste, dass es sie gab. Nicht nur, weil da auf einmal Bairisch zu hören war. Sondern, weil die Perspektive junger Menschen auf dem Land plötzlich Ausdruck fand. Und zwar lustigen, bissigen, kreativen und authentischen. Das dürfte auch erklären, warum zu dem Konzert am Samstag rund 12 000 Menschen in die ausverkaufte Olympiahalle kamen.

Sogar der König der Kabarettisten, Gerhard Polt, adelte die Band und trat zwischendrin auf die Bühne, um zu erzählen, dass er sich neulich einen Simma gekauft hat, einen Siebener-BMW also, der leider ums Arschlecken nicht in seine Garage hineinpasst. Sie sei einfach zu klein. Die Freude und die Ehrfurcht waren den Rappern anzusehen, als Polt da auf der Bühne neben ihnen stand. Die Leute jedenfalls jubelten frenetisch, als sie Polt sahen, was dieser nicht verstehen konnte: „Ich bin doch kein junger Hupfer. Ich bin doch längst keine 80 mehr.“

Auch wenn es darum nicht ging: Dieses Konzert, beginnend mit der Anreise, trug vermutlich mehr zum Erhalt, der Pflege, vor allem aber zur Wiederbelebung bayerischer Kultur bei, als so manche Kulturpreis-Verleihung.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, dass 22 000 Besucher bei dem Konzert waren. Das stimmt nicht, es waren rund  12 000 Besucher.

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