bedeckt München 13°

Antiquariat:Staatsbibliothek kauft wertvolle Werke der Buchmalerei

Bayerische Staatsbibliothek erwirbt wertvolle Handschriften

Die undatierte Aufnahme zeigt zwei Seiten aus dem "Gebetbuch für Wolfgang und Helena Hofmann" (Nürnberg, 1513-1515).

(Foto: Bayerische Staatsbibliothek/dpa)

Für einen "niedrigen siebenstelligen Betrag" wurden drei Handschriften des Spätmittelalters und der Renaissance erworben.

Die bayerische Staatsbibliothek hat im Antiquariatshandel spektakulär eingekauft: Sie hat drei kostbare deutschsprachige Handschriften des Spätmittelalters und der Renaissance bayerischer Herkunft erworben. Die Handschriften gehörten zu den Spitzenstücken der Buchmalerei zwischen Mittelalter und Neuzeit, teilte das Haus am Mittwoch mit. Für die Ankäufe habe man einen "niedrigen siebenstelligen Betrag" ausgegeben, sagte der Sprecher der Staatsbibliothek, Peter Schnitzlein. "Wir haben gut verhandelt", sagte er.

Zwei der drei Werke beinhalten Illustrationen vom berühmten Nürnberger Buchmaler Nikolaus Glockendon (gest. 1534). Das Gebetbuch für Wolfgang Hofmann, Faktoreivorsteher der Fugger in Nürnberg, und seine Frau Helena sei zwischen 1513 und 1514/15 entstanden und eines seiner frühen Werke. Es umfasst 299 Pergamentblätter. Besonders außergewöhnliche Miniaturen weist der von Heinrich von St. Gallen verfasste "Passionstraktat" auf, der 1521 vollendet wurde. Dieser Codex sei der wertvollste Teil der Erwerbungen, hieß es. Bedeutsam und besonders seien die ganzseitigen später in den Buchblock eingefügten 23 Deckfarbenminiaturen. Glockendon schuf sie nach dem Vorbild von Albrecht Dürers "Kleiner Holzschnittpassion" von 1511.

Ältester Ankauf ist eine Fabelsammlung. Sie wurde 1453 in Bayern von Johannes Mör zweispaltig auf Papier geschrieben. Der Text dieser ersten deutschen Fabelprosasammlung wurde von Ulrich von Pottenstein um 1411/17 ins Deutsche übersetzt. Die Staatbibliothek habe die Neuerwerbungen bereits katalogisiert, sagte Schnitzlein. Derzeit würden sie digitalisiert und seien dann für die wissenschaftliche Arbeit in aller Welt verfügbar.

© SZ vom 06.08.2020 / epd
Vorstellung der Untersuchungsergebnisse zum Einstein-Brief

Bayerische Staatsbibliothek
:Eine einzigartige Kopie eines Einstein-Briefs

Vergessen zwischen alten Schriftstücken tauchte 2018 in München ein Brief Albert Einsteins auf. Experten haben das Fundstück untersucht und festgestellt: Es ist kein Original. Wer das Papier angefertigt hat, bleibt ein Rätsel.

Von Wolfgang Görl

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite