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Mühldorf:Ho Ho Ho

Nikolaus unter Nazi-Verdacht

Über Jahrzehnte lief der Job von Peter Mück so friedlich, wie es eben auf dem Christkindlmarkt zugehen sollte: "Romantischer Weihnachtszauber", wie die Stadt Mühldorf es nennt, nachmittags kommt der Nikolaus - Mücks Rolle. Begleitet von Engeln beschenkt er Kinder mit Naschwerk. Nun aber hat Bürgermeisterin Marianne Zollner (SPD) den Nikolaus des Amtes enthoben, wegen Verdachts auf rechtsextreme Gesinnung. Mück sagt: Selbst wenn er wieder Nikolaus sein dürfte, schließe er eine Rückkehr aus. Er wolle es den Kindern ersparen, dass ihm einer beim Gabenverteilen nachrufe: "Da ist er ja, der Nazi-Nikolaus!" Adventsaggression in der oberbayerischen Kreisstadt. Wie kam das?

Die Identitären Bewegung (IB) - vom bayerischen Verfassungsschutz beobachtete Aktivisten - hatte Plakate mit dem Slogan "Kinderehe=Kindesmissbrauch" in Mühldorf verteilt. Der Protest zielte auf die bundesweite Debatte über ein Verbot von Kinderehen. Mück gab Fotos der IB-Aktion auf Facebook ein "Gefällt mir" und verfasste einen positiven Kommentar. Laut der Bürgermeisterin ist dies Eltern von Engerln aufgefallen, sie habe Mück zum Gespräch gebeten. "Ich erklärte ihm, dass diese Bewegung meines Erachtens die Gleichheit und Würde aller Menschen nicht achte", was nicht zum Nikolaus-Job passe. "Herr Mück reagierte sehr abweisend." Mück meint: Er hätte sich vielleicht besser über die Identitären informieren sollen, habe aber nichts mit denen zu tun. Er habe nie in irgendeiner Art die freiheitlich-demokratische Grundordnung verunglimpft. Die "Kernaussage" - die Kritik an Kinderehen - sei für ihn aber richtig.

Die IB gilt als rechtsextrem, sie warnt vor "Bevölkerungsaustausch" durch Zuwanderung. Forderungen wie geschlossene Grenzen oder Kinderehen-Verbot, die auch liberale Bürger billigen könnten, bescheren ihr mancherorts Sympathien. Inzwischen sind Nikolaus wie Bürgermeisterin Ziel von üblen Attacken im Netz. Zollner berichtete der SZ sogar von Morddrohungen, sie werde als Kinderschänderin beschimpft.