Mückenplage in Bayern "Grüße aus Mücking"

Sprühen oder nicht sprühen? Die Mückenplage vermiest den Menschen in Bayern Freizeit und Geschäft - und erreicht jetzt sogar den Landtag. Die CSU will den Einsatz eines Anti-Mücken-Mittels erlauben, doch Naturschützer warnen. Die Entscheidung? "Menschenschutz geht vor Mückenschutz."

Von Mike Szymanski

Erst kämpften die Bürger in den Hochwassergebieten gegen die große Flut an, jetzt sind es kleine Plagegeister, die ihnen das Leben schwer machen: Mücken. Die warmen Temperaturen und die noch immer in weiten Teilen nassen Felder bieten den Insekten ideale Brutbedingungen.

Weil sich die Beschwerden der Bürger in den Rathäuser häufen, rückt mittlerweile die Mückenlarvenbekämpfung auf die Tagesordnung vieler Gemeinderäte. Der Bürgermeister von Haag an der Amper im Landkreis Freising stellte zwar fest, er sei eigentlich nicht Mückenbeauftragter der Gemeinde, aber helfen soll die Politik trotzdem. Die Leute können schließlich nicht mehr auf der Terrasse sitzen oder im Biergarten. Die Mücken vermiesen die Freizeit und das Geschäft.

Am Donnerstag nun hat die Mückenplage den Landtag erreicht, in Form der Drucksache 16/17085. Der Umweltausschuss hatte sich mit einem Dringlichkeitsantrag der CSU zu befassen, es geht um eine Art Nothilfe. Die Staatsregierung soll den Einsatz eines Anti-Mücken-Mittels erlauben, um "vielerorts eine Stechmückenplage mit unzumutbaren Folgen für die dort lebenden Menschen" zu verhindern, wie es in dem Antrag heißt. Konkret geht es um den Einsatz von BTI, Bacillus thuringiensis israelensis, einem Bakterium. Es bildet ein Eiweiß, das den Darm der Mückenlarven zerstört und sie sterben lässt, bevor sie sich zum stechenden Blutsauger entwickeln können. Am Chiemsee hat man damit in der Vergangenheit schon ganz gute Erfahrungen gemacht, auch wenn Naturschützer warnen. Die Langzeitfolgen seien nicht absehbar, und Kritiker bezweifeln, dass es tatsächlich nur für Stechmücken tödlich sei.

Im Umweltausschuss wurden die Bedenken jedoch in einer äußerst kurzen Debatte der Abgeordneten schnell hintangestellt. Der FDP-Abgeordnete Tobias Thalhammer meinte: "Menschenschutz geht vor Mückenschutz." Das war dann auch ganz klare Mehrheitsmeinung im Ausschuss. "Man kann zwar die Population nicht verhindern, aber auf ein erträgliches Maß reduzieren", sagte der CSU-Abgeordnete Klaus Steiner. Ein Kollege führte aus, dass immer mehr Gemeinden beantragten, den Mückenkiller ausbringen zu dürfen. SPD-Generalsekretärin Natascha Kohnen hatte keine Einwände, sofern das Mittel ökologisch vertretbar eingesetzt wird. "Die Situation vor Ort macht es notwendig", erklärte sie.

Ausschuss-Chef Christian Magerl von den Grünen und Biologe ist zwar anderer Meinung. Er sagte, für den Einsatz des Mittels sei es eigentlich schon viel zu spät, die Plage sei längst ausgebrochen. Es ist nicht so, dass Magerl kein Verständnis für die Leute hätte. Auch er bekommt mit, wie sie fluchen und sich nicht mehr auf die Terrasse wagen. Selbst aus seiner Familie bekäme er mittlerweile "Grüße aus Mücking" übersandt, dennoch bleibt er hart in seiner Ablehnung - und wird am Ende überstimmt.