Urteil ohne EntscheidungStreit über Fahrverbot für Biker am Sudelfeld

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Die „Knieschleifer“-Szene am Sudelfeldpass scheint sehr gut organisiert zu sein. Über Handys und Funkgeräte miteinander verbunden, warnten die Fahrer vor der „Rennleitung“, wie die Polizei im Jargon gern genannt wird.
Die „Knieschleifer“-Szene am Sudelfeldpass scheint sehr gut organisiert zu sein. Über Handys und Funkgeräte miteinander verbunden, warnten die Fahrer vor der „Rennleitung“, wie die Polizei im Jargon gern genannt wird.
Foto: Matthias Köpf
  • Das Verwaltungsgericht München weist die Klage eines Biker-Verbands gegen die einseitige Sperrung des Sudelfeldpasses ab.
  • Die Sperrung für Motorräder von 11 bis 21 Uhr in Richtung Bayrischzell endet im Oktober 2025, einen Monat früher als geplant.
  • Das Landratsamt Rosenheim will den Testbetrieb über den Winter auswerten und prüft eine mögliche dauerhafte Regelung.
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Motorradfahrer dürfen den beliebten Sudelfeldpass seit 2025 nur noch in einer Richtung überqueren. Die Klage eines Biker-Verbands gegen den Testbetrieb bleibt erfolglos. Was das für eine künftige Dauerlösung bedeutet, ist allerdings offen.

Von Matthias Köpf, Oberaudorf

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Die Passstraße am Sudelfeld gehört wegen ihrer vielen Kehren schon immer zu den Lieblingsstrecken der Motorradfahrer in Bayern – der zahllosen Genussbiker genauso wie jener Wenigen, die das Sudelfeld als Rennstrecke missbrauchen. Sie alle miteinander werden von Oktober an nicht mehr nur von Bayrischzell aus übers Sudelfeld fahren können, sondern auch wieder aus dem Inntal ab Brannenburg oder Oberaudorf. Denn das Landratsamt Rosenheim beendet einen Monat eher als geplant die einseitige Sperrung, die es 2025 wegen vieler Unfälle und dauernder Beschwerden über den Motorradlärm versuchsweise eingeführt hatte.

Dies ist das einzige greifbare Ergebnis eines Prozesses vor dem Verwaltungsgericht München. Der Biker, der für den Bundesverband der Motorradfahrer gegen die Sperrung geklagt hatte, hat damit trotzdem so gut wie gar nichts erreicht.

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Denn schon die Klage richtete sich allein gegen die Rosenheimer Regelung und nicht die gleichlautende im Nachbarlandkreis Miesbach. Dies machte der Vorsitzende Richter gleich zu Beginn des Ortstermins am Sudelfeld deutlich. Also müssten die Motorradfahrer aus dem Inntal dann streng genommen schon 200 Meter vor dem sogenannten Schnauferlwirt absteigen und ihre Maschinen über die Landkreisgrenze bis zu dem beliebten Biker-Treffpunkt schieben. Zudem wäre die 2025 jeweils für die Sommermonate eingeführte Sperrung vier Wochen später ohnehin ausgelaufen. Das leicht vorverlegte Ende geht auf einen Hinweis des Gerichts zurück, dass ein Verkehrsversuch insgesamt nur ein Jahr dauern solle.

Der Biker und sein Verband hatten ihre Klage schon im August 2025 eingereicht. Aus ihrer Sicht ist das Fahrverbot viel zu pauschal und trifft auch die übergroße Zahl derer, die vernünftig, rücksichtsvoll und regelkonform unterwegs sind. Die Kläger mussten bis fast zum Ende der testweisen Sperrung ausharren, bis das Verwaltungsgericht über ihre Klage entschieden – und sie dann abgewiesen hat, wie das Gericht am Tag nach der Verhandlung mitteilte. Gegen eine mögliche dauerhafte Regelung müssten und werden die Kläger voraussichtlich mit einer neuerlichen Klage vorgehen.

Der Verband und seine Anwältin vermuten ohnehin, dass das Landratsamt die Regelung von Anfang an auf Dauer einführen wollte. Entsprechend sei der Testbetrieb nicht ergebnisoffen gestaltet, monieren sie. Auswerten will ihn das Landratsamt „über den Winter“. Doch aus der Sicht der Behörden und der Anwohner muss der Versuch, das Sudelfeld täglich von 11 bis 21 Uhr in einer Richtung für Motorräder zu sperren, schon jetzt als Erfolg gelten.

Seit dem Frühjahr 2025 ist der Sudelfeldpass zu bestimmten Zeiten in Fahrtrichtung Bayrischzell gesperrt. Viele Genussfahrer, die oft eher gesetzt unterwegs sind, fühlen sich dadurch für das gefährliche Fehlverhalten einiger weniger Raser bestraft.
Seit dem Frühjahr 2025 ist der Sudelfeldpass zu bestimmten Zeiten in Fahrtrichtung Bayrischzell gesperrt. Viele Genussfahrer, die oft eher gesetzt unterwegs sind, fühlen sich dadurch für das gefährliche Fehlverhalten einiger weniger Raser bestraft.
Foto: Ardan Fuessmann/Imago

Dass der Pass für Motorräder nur in einer Richtung frei befahrbar ist, soll verhindern, dass Raser einzelne Abschnitte immer wieder auf- und abfahren – oft in Rennen gegen die Uhr oder gar direkt gegeneinander. Die wegen der Körperhaltung in den Kurven zuweilen „Knieschleifer“ genannte Raserszene ist gut organisiert. So haben es ein Vertreter des Polizeipräsidiums Rosenheim sowie die Bürgermeister von Brannenburg und Oberaudorf, Christian Zweckstätter und Matthias Bernhardt, dem Gericht beschrieben.

Demnach gibt es sogar eigene Service-Fahrzeuge, die bei Bedarf demolierte Maschinen wegschaffen. Leichtere Verletzungen würden selbst versorgt, ohne Rettungsdienst und Polizei zu alarmieren. Späher und Streckenposten seien über Handys und Funkgeräte miteinander verbunden und warnten die Fahrer vor der „Rennleitung“, wie die Polizei im Knieschleifer-Jargon gern genannt wird. Die Polizei selbst berichtet von wiederholten Schwerpunkt-Kontrollen, die man aber eigentlich beenden könne, sobald man den ersten oder spätestens den zweiten Fahrer angehalten habe.

Mehr Polizeipräsenz hat demnach ebenso wenig gebracht wie Fahrbahnteiler und Rüttelstreifen am Asphalt sowie Tempolimits und Überholverbote auf weiten Teilen der Strecke. Erst mit der Sperrung sei es gelungen, die hohe Zahl der Motorradunfälle, bei denen es praktisch immer Verletzte gebe, auf nahezu null zu reduzieren.

Stark gestiegen war diese Zahl, nachdem eine andere beliebte Biker-Strecke gesperrt worden war: Von April bis Oktober ist der Kesselberg zwischen dem Kochel- und dem Walchensee im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen täglich von 15 bis 22 Uhr in Richtung Süden gesperrt, seit 2023 zunächst testweise und seit 2025 unbefristet. Dort ist die Zahl schwerer Motorrad-Unfälle deutlich zurückgegangen.

Seit es auch am Sudelfeld Einschränkungen gibt, herrscht bei Anwohnern wie Andreas Rechenauer Erleichterung. Er wohnt auf halber Höhe direkt an der Strecke Richtung Oberaudorf und muss täglich auf seiner Alm am Sudelfeld nach dem Vieh sehen. „Vorher ist es nicht mehr gegangen“, sagt Rechenauer. Mit landwirtschaftlichen Maschinen sei die Straße nicht mehr ohne Lebensgefahr passierbar gewesen. Den Lärm der hochdrehenden Motoren habe er sogar noch gehört, wenn er selbst mit der Motorsäge im Wald gearbeitet habe. „Seit der Teilsperrung ist es so, dass man sagen kann: Das passt.“

Wie es am Sudelfeld weitergeht, wird davon abhängen, welche Schlüsse die Behörden aus dem Versuch ziehen. An eine dauerhafte Regelung wird das Gericht laut der vorsorglichen Ankündigung des Vorsitzenden aber strengere Kriterien anlegen als an den Versuch.

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