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Mordprozess gegen Witwe:Polizist hatte "eigenartiges Gefühl"

Im Prozess gegen eine Frau aus Tegernsee wegen des Mordes an ihrem Ehemann haben erste Zeugen ausgesagt. Zwei Polizisten und ein Arzt schilderten dem Landgericht München II am Mittwoch Details über den Auffindeort des Opfers, das im August 2018 durch eine Überdosis an Medikamenten in seinem Bett gestorben war. Seine 49-jährige Witwe soll den Mann getötet und später seine Urne auf dem Friedhof ausgegraben haben. Ein herbeigerufener Arzt berichtete, dass er einen Suizid des Verstorbenen vermutet hatte, da dieser über Depressionen geklagt hatte. Einer der Polizisten, die daraufhin die Wohnung untersuchten, sagte vor Gericht, er habe ein "eigenartiges Gefühl" gehabt und eine Obduktion des Leichnams angeregt. Die Verdächtige wurde allerdings erst knapp ein halbes Jahr später festgenommen.

Zum Prozessauftakt am Montag hatte die 49-Jährige angekündigt, eine Aussage zu machen. Dazu kam es zunächst nicht. Die Anklage lautet auf Mord und Störung der Totenruhe. Das mutmaßliche Motiv formuliert die Staatsanwaltschaft so: Die Angeklagte "hatte entschieden, dass ihr Ehemann, von dem sie lange Jahre in erheblichem Ausmaß finanziell profitiert hatte, ihr nun zu nichts mehr nütze sei".

Später soll die Witwe das Urnengrab ihres Mannes aufgebohrt und die Urne mitgenommen haben. Einen Teil der Asche füllte sie laut Anklage in ein Glas, den Rest in den Bezug ihres Kopfkissens. Als Nebenkläger in dem Verfahren sind die drei Kinder des Toten zugelassen. Nach Gerichtsangaben sind insgesamt 14 Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil könnte demnach Anfang November fallen.

© SZ vom 24.09.2020 / dpa
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