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Regensburg:Mordfall Maria Baumer: Angeklagter schweigt zu Prozessbeginn

Maria Baumer Regensburg Lebensgefährte unter Mordverdacht

Der Mann soll seine Verlobte mit Medikamenten getötet und die Leiche in einem Wald vergraben haben. Kurz vor ihrem Verschwinden soll er im Internet nach "der perfekte Mord" gesucht haben.

Von Johann Osel

Es war einer der spektakulärsten Kriminalfälle in Bayern im vergangenen Jahrzehnt: das Verschwinden und der gewaltsame Tod von Maria Baumer in Regensburg um Pfingsten 2012. Acht Jahre später hat nun am Mittwoch vor dem Landgericht Regensburg der Prozess gegen den damaligen Verlobten der Frau begonnen. Die Staatsanwaltschaft legt ihm Mord zur Last. Christian F., 35, soll der 26-Jährigen "heimtückisch und aus niederen Beweg-gründen" das Leben genommen haben. Er war bereits 2013 ins Visier der Ermittler geraten, aber nach einer Untersuchungshaft wieder frei gekommen.

Neue Anhaltspunkte machen für die Staatsanwaltschaft jetzt eine Anklage stichhaltig. Der Fall Maria Baumer, der auch durch die Fernsehsendung "Aktenzeichen XY" überregionale Bekanntheit erlangte, steht wegen dreier Aspekte besonders im Fokus der Öffentlichkeit: wegen der Rätselhaftigkeit, der Brutalität (die Leiche wurde mit Chemikalien zersetzt) und wegen des Engagements des Opfers - Baumer war Landesvorsitzende der Katholischen Landjugendbewegung, mit mehr als 25 000 Mitgliedern einem der größten Jugendverbände im Freistaat.

Der Medienandrang und die Nachfrage nach Zuschauerkarten ist groß am Mittwoch am Landgericht; zumal wegen Corona die Stuhlreihen ausgedünnt sind. Auf dem Sitzungsplan steht die Verlesung der Anklage, F. hätte zudem Gelegenheit für eine Einlassung. Doch in Absprache mit seinen Verteidigern schweigt der Mann mit der Pferdeschwanzfrisur. Nachdem er den Saal betritt und ihm die Handschellen abgenommen werden, macht er nur die erforderten Angaben zur Person. Familienmitglieder von Maria Baumer, die Eltern und drei Geschwister, sind als Nebenkläger erschienen - kein erkennbarer Blickkontakt.

Seit 2008 lebten F. und Baumer in einer festen Beziehung, bezogen eine gemeinsame Wohnung in Regensburg und verlobten sich. Im Herbst 2012 war eine Hochzeit in größerem Rahmen geplant, mit bis zu 300 Gästen. Spätestens seit Mai aber reifte in dem Angeklagten, so die Staatsanwaltschaft, der Wunsch, eine Beziehung mit einer anderen Frau einzugehen. Diese hatte der Krankenpfleger im Job als Patientin kennengelernt. Hierin sieht die Anklage das mutmaßliche Motiv für die Beseitigung der Verlobten - er habe eben die neue Beziehung eingehen wollen, ohne das Verlöbnis lösen zu müssen. Darüber hinaus habe das später "inszenierte Verschwinden" seiner Verlobten F. die Möglichkeit gegeben, den Abbruch seines Medizinstudiums vor dem sozialen Umfeld zu rechtfertigen. Dieses habe er schon längere Zeit über seine Fortschritte an der Uni belogen.

Ende Mai 2012 soll F. der "nichts ahnenden" Maria Baumer, "höchstwahrscheinlich aufgelöst in einem Getränk", hohe Dosen des Beruhigungsmittels Lorazepam sowie des Opioids Tramadol verabreicht haben. Ersteres soll zur Bewusstlosigkeit, zweiteres zum Atemstillstand geführt haben. Die bewusstlose Frau oder die Leiche soll er in eine von ihm ausgehobene Grube in einem Wald im Kreis Regensburg gelegt und mit diversen Chemikalien bestreut haben - sodass die Gewebeteile des Leichnams "binnen kürzester Zeit verseiften und verflüssigten". Ziel: die Identifizierung beziehungsweise Feststellung der Todesursache zu verhindern. Ein Jahr nach dem Verschwinden wurden sterbliche Überreste von einem Pilzsucher gefunden.

Neue technische Möglichkeiten brachten die Polizei 2019 erneut auf die Spur des Verlobten. So konnten an Kleidung und Haaren des Opfers Medikamente nachgewiesen werden. Außerdem soll F. kurz vor dem Verschwinden Baumers im Internet nach Begriffen wie "der perfekte Mord" oder "lorazepam letal Dosis" gesucht haben. Als Krankenpfleger hatte er wohl unkontrolliert Zugang zu dem Medikament. Zudem hatte der zwischenzeitlich wegen Missbrauchs verurteilte F. in einem anderen Fall eine Frau mit Lorazepam betäubt.

Die von der Anklage vorgebrachten Indizien stellt F.s Anwalt Michael Haizmann in Frage und will im Prozess seine Zweifel daran vorbringen. Auch die mutmaßlichen Mordmerkmale weist er zurück. "Es gibt sicherlich eine Fülle von Indizien, aber es gibt keinen schlüssigen Beweis, dass mein Mandant die Frau Baumer ermordet hat. Ob das reicht, um am Ende jemand lebenslänglich hinter Gittern zu bringen, da hab' ich ganz große Zweifel", zitiert der Bayerische Rundfunk den Verteidiger.

Der Prozess ist bis Anfang Oktober angesetzt. Es sollen 65 Zeugen und 18 Sachverständige gehört werden.

© SZ.de/dpa/mmo/imei
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