Mollath-Prozess in Regensburg Präzisionsplan der Justiz

Außenansicht vom Landgericht und Amtsgericht in Regensburg

(Foto: dpa)

Mit preußischer Präzision hat sich das Landgericht Regensburg auf den erwarteten Andrang zum Prozess gegen Gustl Mollath vorbereitet. Es gibt einen "Eingang für Mädchen", blaue und gelbe Stühle, grüne und rote Platzkarten. Geeignet für Freunde kurioser Justizveranstaltungen.

Von Wolfgang Wittl

Für alle Mollath-Fans und sonstigen Freunde kurioser Justizveranstaltungen versprechen die kommenden Tage in Regensburg ein unvergessliches Ereignis zu werden. Die gute Nachricht: Wer erst einmal einen Platz im Gerichtssaal ergattert hat, kann auf die Toilette gehen, ohne ihn gleich wieder zu verlieren. Alles weitere wird dann schon ein bisschen komplizierter.

Wochenlang hat das Landgericht Regensburg getüftelt, wie der mutmaßliche Trubel am besten zu kanalisieren ist. Herausgekommen ist ein Plan, der an preußischer Präzision nichts vermissen lässt. Dass die Verantwortlichen nichts dem Zufall überlassen, zeigt sich bereits am Hauptportal, welches den Zuhörern der Mollath-Verhandlung verschlossen bleibt. Sie müssen in östlicher Richtung um das Gebäude herumgehen, bis sie auf eine Tür treffen, die mit "Eingang für Mädchen" überschrieben ist.

Das bedeutet keinerlei Wertung, sondern ist allein dem Umstand geschuldet, dass das Sitzungsgebäude einmal ein Schulhaus war. Natürlich dürfen auch Frauen, Männer und Buben eintreten, sofern sie zu den 42 Auserwählten zählen, die früh genug dran sind. Falls nicht, können sie einstweilen in einem der THW-Zelte Unterschlupf finden, die vor sengender Sonne oder Regen schützen sollen.

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Wer den Gerichtssaal jemals erreicht hat, kann es sich auf allen Stühlen gemütlich machen, deren Aufkleber mit einem blauen Rahmen versehen sind. Um mehr Besucher unterzubringen, wurde sogar eigens ein Geländer versetzt. Die 40 gelben Sitze sind den Beobachtern namens Journalisten vorbehalten, die das Haus mit ihren gelben Kärtchen durch den südlichen Hintereingang betreten haben. Ihre Platzkarten wiederum sind grün, doch das nur nebenbei. Bei der Gruppe mit roten und orangefarbenen Ausweisen handelt es sich übrigens um Fotografen oder Fernsehleute.

Die schlechte Nachricht: Bei jeder Pause von mindestens einer Stunde (mittags etwa) müssen die Zuhörer den Saal verlassen und sich wieder von vorne anstellen, um auch anderen Besuchern Zutritt zu verschaffen. Protest ist zwecklos. Wie es sich für ein gutes Landgericht gehört, wurde das Procedere rechtlich eingehend geprüft. Nicht dass noch einer auf die Idee kommt, Revision einzulegen.

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