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Mögliche Behandlungspannen:Geschäftsführer des Bayreuther Klinikums freigestellt

Die Vorwürfe sind schwer: Drei Neugeborene sollen durch Fehlbehandlungen Schäden davongetragen haben, ein Baby soll sogar gestorben sein. Nun ist der Geschäftsführer des Klinikums Bayreuth mit sofortiger Wirkung von seinem Posten freigestellt worden.

  • Der Geschäftsführer des Klinikums Bayreuth ist mit sofortiger Wirkung von seinem Posten freigestellt worden. Aufsichtsrat und Gesellschafter reagierten damit auf Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.
  • Der Geschäftsführer soll dem Krankenhaus einen strikten Sparkurs verordnet haben, der möglicherweise zu Behandlungspannen geführt haben könnte.

Geschäftsführer freigestellt

Nach dem Bekanntwerden mutmaßlicher Behandlungspannen ist der Geschäftsführer des Klinikums Bayreuth mit sofortiger Wirkung von seinem Posten freigestellt worden. Aufsichtsrat und Gesellschafter reagierten damit auf Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Der Vertrag des nun freigestellten Geschäftsführers läuft noch bis September 2017.

Stundenlange Krisensitzung

Grund für die Freistellung sei ein schwerwiegender Vertrauensverlust, sagte eine Kliniksprecherin am Dienstag nach einer stundenlangen Krisensitzung. Der Klinikvorstand sei um eine einvernehmliche Lösung mit Geschäftsführer Roland Ranftl bemüht, ergänzte die Sprecherin.

Ranftl soll dem Krankenhaus einen strikten Sparkurs verordnet haben, der möglicherweise zu Behandlungspannen geführt haben könnte. Einem anonymen Hinweisgeber zufolge hatten zwischen 2008 und 2011 drei Neugeborene durch Fehlbehandlungen schwerwiegende Dauerschäden davongetragen, ein Baby soll sogar gestorben sein.

Polizei durchsuchte Klinikum

Um die Vorwürfe aufzuklären, hat der Aufsichtsrat drei interne Expertenkommissionen berufen. Zusätzlich würden die Kommissionen extern kontrolliert, erläuterte die Kliniksprecherin. "Wir wollen die Probleme aufarbeiten."

Dass es rumort im Bayreuther Klinikum, hat sich längst herumgesprochen. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel hatte dann über gravierende Mängel berichtet. Demnach komme es schon mal vor, dass Patienten vom Operationstisch fielen. Auch sei die Ausstattung einiger OP-Bereiche veraltet.

Inzwischen hat die Polizei das Klinikum durchsucht. Zuletzt hatten sich die Ärzte des Klinikums gegen die Vorwürfe gewandt, wonach es - unter anderem aus Profitstreben und Überlastung - zu schweren Behandlungsfehlern gekommen sein soll. 22 von 25 Chefärzten unterschrieben die Stellungnahme, die das Krankenhaus veröffentlichte. Ranftl hatte in den vergangenen Tagen geschwiegen.

© SZ.de/dpa/afis
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