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Modellbau-Affäre:Warum Haderthauer wohl kaum in die Politik zurückkehren wird

´Haderthauer: Würde gerne mit ´zweiter Luft" durchstarten"

Christine Haderthauer musste 2014 wegen der Modellbau-Affäre zurücktreten. Jetzt will sie wieder zurück.

(Foto: Sven Hoppe)
  • Christine Haderthauer möchte zurück in die Politik, zumindest deutete sie das in einem Interview an.
  • In ihrem CSU-Ortsverband in Ingolstadt ist man davon nur mäßig begeistert.
  • In der Landtagsfraktion gibt es kaum jemanden, der an eine Rückkehr ins Kabinett glaubt.

Christine Haderthauer saß in der ersten Reihe, als die Bierbrauer am Freitag in Ingolstadt das 500-jährige Bestehen des Reinheitsgebots gefeiert haben. Sie hat aus nächster Nähe beobachtet, wie der Brauerbundpräsident ans Rednerpult trat und die Politikprominenz begrüßte, die zur Feier ins Bierzelt gekommen war: Bundeskanzlerin Angela Merkel natürlich, Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt, Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner und so weiter. Und Haderthauer, immerhin Landtagsabgeordnete für Ingolstadt? Wurde mit keinem Wort erwähnt. Sie saß in der ersten Reihe und saß doch im Abseits.

Ihr Status ist ein anderer, seit Haderthauer im Herbst 2014 wegen der sogenannten Modellbau-Affäre als Staatskanzleichefin zurücktrat. Es ist ruhig geworden um die Frau, die in ihrer steilen politischen Karriere vieles war, nur nicht ruhig.

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Zugleich wurde bekannt: Ihr Mann Hubert bleibt zwar des Dienstes enthoben, erhält aber wieder volle Bezüge.

Doch vor ein paar Tagen machte sie wieder auf sich aufmerksam. Haderthauer sendete ein erstes mediales Lebenszeichen, seit sie ihren Strafbefehl von 30 Tagessätzen wegen eines Steuervergehens angenommen hat. Im Donaukurier, ihrer Lokalzeitung, sprach sie über ihre politische Zukunft, von der nicht wenige in der CSU dachten, sie läge inzwischen hinter der 53-Jährigen. Sie haben sich offensichtlich getäuscht.

"Wie eine Wolke" sei die Modellbau-Affäre über ihrem Leben und dem ihrer Familie geschwebt. Aber sie sei "jetzt innerlich wieder sehr stabil", sagte Haderthauer. Der Gedanke, aus der Politik auszusteigen, sei ihr allenfalls in einem "Durchgangsstadium kürzerer Natur" gekommen. Und: Sie wünsche sich, "dass man mir die Chance gibt, mit der zweiten Luft durchzustarten", sagte sie noch. Da wurde man in der CSU auch außerhalb von Ingolstadt hellhörig.

Liebäugelt sie bereits wieder mit einer Berufung ins Kabinett?

Durchstarten mit zweiter Luft! Haderthauer bringt sich also in Stellung, nur wofür? Ist das überhaupt vorstellbar, dass jemand wie sie in den Landtag einzieht, um sich mit einem Leben als Hinterbänklerin zu begnügen? Liebäugelt sie bereits wieder mit einer Berufung ins Kabinett? Oder wollte sie wirklich nur die Basis daheim wissen lassen, dass sie ihr Mandat auch über die nächsten Wahlen 2018 hinaus zu behalten gedenkt? Damit erst gar niemand auf die Idee kommt, an ihrem Stuhl im Maximilianeum zu rütteln.

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Parteifreunde, die nahe an ihr dran sind, hängen der zweiten Theorie an: Die Initiative für das Gespräch sei vom Donaukurier ausgegangen, Haderthauer habe sich der Anfrage der Heimatzeitung doch gar nicht entziehen können, wollte sie signalisieren, dass sie sich nach der Affäre nun wieder für arbeitsfähig halte. Die zweite Luft sei ausschließlich auf die Landtagskandidatur zu beziehen. Zu kurz gekommen sei in dem Beitrag leider, dass Haderthauer stets betone, die Entscheidung dafür liege bei der CSU in Ingolstadt.