Modellbau-Affäre um Haderthauer:"Die Preise von Gary lagen bei FF 93 375,-!!"

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Bislang haben die Haderthauers viel Energie darauf verwendet, sich als fast schon draufzahlende Sozialunternehmer zu verkaufen, die Therapie für Straftäter aus, so die Ministerin, "Idealismus" unterstützten. Interne Dokumente, die der SZ vorliegen, vermitteln auch andere Eindrücke.

Schon 1995 war Hubert Haderthauer sichtlich angetan von den hohen Summen, die sein US-Partner Kohs mit den Automodellen erzielte, und bat darum, dessen Endabnehmer direkt zu kontaktieren. "Die Preise von Gary lagen bei FF 93 375,-!!", schrieb Haderthauer an seinen französischen Sapor-Mitgesellschafter Roger Ponton. Das entsprach damals etwa 28 000 Mark.

Auch als Christine Haderthauer im Jahr 1992 Firmenmitgründer Fritz Sager aus der Firma drängt, begründet sie das im entsprechenden Brief vor allem mit dessen mangelnden Geschäftssinn: "Das Dir im Dezember 1991 übergebene Modell (Mercer) wurde von Dir nicht, wie verabredet, an einen Käufer in Hamburg verkauft." 25 000 Mark fehlten so der Firma.

Wie stark diese fünfstelligen DM-Summen pro Auto mit den Herstellungskosten kontrastieren, machen gleichzeitig die Unterlagen aus den psychiatrischen Kliniken deutlich. Noch im vergangenen Jahrzehnt listen die Laufzettel in Straubing für jedes von den dort Einsitzenden bei Stundenlöhnen von drei Euro gefertigte Modell Kosten von typischerweise 2400 Euro pro Stück auf. Das Ehepaar Haderthauer, das auch am Dienstag nicht zu sprechen war, verwies schon früher darauf, es müssten auch Kosten für Werkzeuge, Material und Miete hinzugerechnet werden.

Trotzdem beschäftigt immer mehr Politiker die Frage, warum nicht mehr Geld beim Staat selbst hängen blieb, der ja schließlich auch die Ausgaben für den Justizvollzug trägt. Die Landtags-SPD verlangte am Dienstag detailliert Aufschluss darüber, warum sich der Staat nicht selbst an den Gewinnen besser beteiligt hat. Das Sozialministerium, das Haderthauer bis zum Jahr 2013 führte, verweist allerdings darauf, die Kalkulation liege bei den Bezirken. Zuständig sind Mittelfranken (für Ansbach) und Niederbayern (Straubing) - von beiden waren am Dienstag keine weiteren Aufschlüsse zu erhalten.

In den Listen aus Straubing tauchen auch Abrechnungen über die Art von Motoren auf, die die Aufmerksamkeit des Octane-Magazins erregten. Drei Simplex-Motorenmodelle und ein Mercedes-SSK-Motor wurden auf einem Laufzettel im Jahr 2005 abgerechnet. Als Lohnkosten sind 950 Euro festgehalten - für alle vier zusammen. Also nur ein Bruchteil der im Magazin genannten 3000 Pfund.

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