Süddeutsche Zeitung

Landgericht München:Modellbau-Affäre: Geldstrafe für Hubert Haderthauer

Wegen Steuerhinterziehung und versuchten Betrugs muss er fast 19 000 Euro zahlen. Der Richter verzichtete dabei bewusst auf eine Haftstrafe.

Das Landgericht München II hat am Donnerstag den derzeit vom Dienst suspendierten Ingolstädter Landgerichtsarzt Hubert Haderthauer zu einer Geldstrafe in Höhe von nahezu 19 000 Euro verurteilt. Die Wirtschaftsstrafkammer unter dem Vorsitz von Richter Rupert Heindl hält es für erwiesen, dass sich Haderthauer im Laufe seiner Geschäfte mit exklusiven Oldtimer-Modellen sowohl der Steuerhinterziehung (insgesamt 49 759 Euro) als auch des versuchten Betrugs schuldig gemacht hat. Das Gericht blieb damit unter der von der Staatsanwaltschaft geforderten elfmonatigen Haftstrafe auf Bewährung.

Staatsanwalt Achim von Engel hatte Haderthauer im Plädoyer vorgeworfen, seinen Geschäftspartner Roger Ponton um 49 000 Euro betrogen zu haben, indem er ihn über den wahren Wert der gemeinsamem Firma "Sapor Modelltechnik" im Unklaren gelassen habe. Das Unternehmen hatte weltweit hochwertige Modellautos vertrieben, die von psychisch kranken Straftätern im Rahmen ihrer Arbeitstherapie hergestellt worden waren. Ponton, so sind sich die Ermittler sicher, wäre 2011 kaum für eine Vergleichs-Summe von 20 000 Euro rückwirkend zum Jahr 2008 aus der Firma ausgetreten, hätte er den wahren Wert des Unternehmens gekannt.

Wie es zu Modelbau-Affäre kam

2008 hatte Haderthauer die Firma hinter Pontons Rücken an einen Freund weiterverkauft. Ponton erfuhr Jahre später eher zufällig vom angeblich hohen Gewinn der Firma, fühlte sich geprellt und erstattete schließlich Anzeige. Als dies an die Öffentlichkeit drang, führte dies zur sogenannten Modellbau-Affäre, die Anfang September 2014 im Rücktritt von Haderthauers Ehefrau Christine als Chefin der Staatskanzlei eskalierte.

Ermittlungen hatten ergeben, dass sie weit mehr in die Geschäfte der Firma involviert war, als sie zunächst angegeben hatte. Hubert Haderthauer hat nun bis zum 3. März Gelegenheit, gegen das Urteil Rechtsmittel einzulegen.

Mehrmals hatte der 59-Jährige den Kopf geschüttelt, als ihm Richter Heindl vorwarf, der Firma Sapor Modelltechnik Oldtimer-Modelle im Wert von 60 000 Euro entnommen zu haben - und das an der Steuer vorbei. Einige Steuervergehen hatte Haderthauer indes selbst eingeräumt. So etwa hatte er dem Fiskus 14 000 Euro an Provisionseinnahmen verschwiegen.

Angesichts der Geldstrafe, abzuleisten in 270 Tagessätzen, muss Haderthauer nun damit rechnen, seine Beamtenstelle zu verlieren. Richter Heindl betonte, er habe dem Angeklagten bewusst "nicht die große Keule", sprich eine Haftstrafe, zumuten wollen - und das auch wegen des hohen öffentlichen Drucks, dem er und seine Familie bereits ausgesetzt waren.

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SZ vom 26.02.2016/mmo
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