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Mode aus Niederbayern:Verflixt und zugenäht

Jahrelang produzierte Modedesignerin Trixi Schober ihre Kleider in Niederbayern - und verkaufte sie in die ganze Welt. Zu ihren Kunden zählten die ehemalige Präsidentengattin Christina Rau oder Prinzessin Diana. Doch jetzt lässt auch die Designerin im Ausland schneidern.

Als Trixi Schober vor langer Zeit danach gefragt wurde, worin der Erfolg ihres Modelabels liege, musste sie nicht lange überlegen: "Glück, Intuition und harte Arbeit", sagte sie. Inzwischen würde die 66 Jahre alte Designerin die Wörter "günstige Produktionsstätten im Ausland" anfügen. Denn Trixi Schober, die mehr als 30 Jahre lang mit großer Überzeugung damit warb, dass ihre aufwendig gearbeitete Damenmode in Deutschland gefertigt wird, musste vor einem Jahr ihre Herstellung ins billigere Ausland verlagern. Schon zwei ihrer Kollektionen wurden nun in Tschechien, Rumänien und Slowenien genäht. Für die Designerin steht seitdem das Ringen um Qualität umso mehr im Mittelpunkt.

Nach 30 Jahren verlegt Trixi Schober ihre Produktion nach Osteuropa.

(Foto: oh)

Eine Ausnahmeerscheinung in der Modebranche war die Firma Schober schon immer: Viele fragten sich, wie es ein Familienunternehmen aus einem hinteren Winkel Niederbayerns, dem Dorf Neukirchen am Inn, schaffen konnte, bei hohen Preisen für ihre Kollektionen und deutschen Produktionsstandorten zu bestehen zwischen all den Großkonzernen von Armani bis Zara. Und wie es eine Dame wie Trixi Schober, die wenig Werbung und Wirbel um sich selbst macht, hinbekam, kontinuierlich die sogenannte Prominenz zu bekleiden.

Den internationalen Durchbruch schaffte Trixi Schober nämlich, als Prinzessin Diana sich in einen Blazer-Mantel aus ihrer Kollektion verliebte und diesen gleich in drei Farben aus Niederbayern nachbeorderte. "Diana war damit pausenlos in den Zeitungen abgebildet, das war für uns eine unbezahlbare Werbung", sagt Trixi Schober, die wie immer Trixi Schober trägt. Heute ist es ein Jackett aus der Winterkollektion, in Rumänien gefertigt: Wolle mit Seide und Kaschmir, anthrazitfarben mit ledernem Ärmelbesatz. "Unsere Jacken haben den Vorteil, dass die so bequem wie Pullover sind", macht Schober dann doch ein wenig Werbung für ihre Marke.

Im Schloss Bellevue nahm Schober übrigens auch gerne Maß: Christina Rau gehörte zu ihren Stammkundinnen. Über den Fall des kürzlich zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff hat Schober sich "geärgert", wie sie sagt: "Meine Damen bezahlen immer selbst." Etwa "Businessfrauen" wie Bertelsmann-Aufsichtsratsmitglied Liz Mohn, auf die Schobers Linie laut Eigenwerbung zugeschnitten ist. Diese Damen lassen sich ihre Garderobe einiges kosten: Für Jacken aus den Kollektionen müssen Kundinnen etwa 600 bis 800 Euro ausgeben, Kleider kosten zwischen 450 und 690 Euro.

Klar und schnörkellos ist diese Mode, die sich aus Niederbayern in die ganze Welt verkauft. In der neuen Firmenzentrale im Passauer Gewerbegebiet stehen reihenweise Kleiderstangen, die bald nach New York verschifft werden. Zwei Kollektion à 120 Teile entwirft Schober pro Jahr gemeinsam mit Tochter Caroline, 39, die als Prokuristin eingestiegen ist. Das sind insgesamt 15 000 Kleidungsstücke, die die nach der Produktionsverlagerung intensivierte Qualitätskontrolle von Hand bestehen müssen.

Bevor sie ihren Mann Helmut Schober 1967 heiratete, hatte Beatrice, genannt Trixi, Schober nichts mit Mode zu tun. Ihr Mann leitete die Damenoberbekleidungsfirma seiner Eltern in Neukirchen am Inn. 1974 präsentierte dann Trixi Schober, schon mit dem Logo des roten X, ihre erste Kollektion auf der Münchner Modewoche. Die Verarbeitung von reinen Naturstoffen, der klassische Chic mit elegantem Pfiff, sei es eine asymmetrische Knopfleiste oder eine Extrafalte im Taschenaufsatz, kam an. "Geschaffen für Frauen, die sich selbst vertrauen" lautet das Motto, das die Designerin ihren Kollektionen verpasst hat.

Vor zwei Jahren benötigte die vierfache Großmutter dann selbst eine große Portion Mut und Vertrauen in das eigene Können. Die Firma ihres Mannes musste Insolvenz anmelden. "Wir haben so lange durchgehalten wie sonst keine Firma. Aber die Kosten am Produktionsstandort Deutschland sind einfach zu hoch", sagt Trixi Schober. "Wir sind von Konjunkturwellen abhängig, und auch unsere Endverbraucher wurden preissensibel." Als im Einzelhandel Armani-Jackets für 550 Euro hingen und Trixi-Schober-Jacken für 700 Euro, mussten die Niederbayern den Preis senken - "um zehn bis 20 Prozent", schätzt Schober.

Mit kleiner Besetzung, 25 Mitarbeiterinnen, begann die Designerin neu in einem dreistöckigen Zweckbau in Passau. Es gibt eine kleine Näherei, Produktentwicklerinnen, Marketingleute, Mitarbeiter für die Schnitttechnik. Und eben eine Abteilung, die jede Naht kontrolliert, die im Ausland vernäht wurde. "Es hat mir weh getan, die Arbeit außer Haus geben zu müssen, es war eine große Umstellung. Aber inzwischen läuft es ganz gut", sagt Trixi Schober.

Gerade verlässt die Frühjahr/Sommer-Kollektion das Haus. Die Designerin beschreibt sie so: "kontrastreiche Vielfalt mit Farbe satt und leuchtenden Prints". Sie ist froh über die vielen Rot- und Grüntöne in den klassischen Anzügen und knie-umspielenden Kleidern. In den vergangenen Jahren, sagt sie, war viel beige und weiß angesagt. "Etwas langweilig. Aber ich habe mich sogar damals in der Romantik behauptet, obwohl Rüschen so gar nicht Trixi-Schober-Stil sind." Dann lacht sie: "Ich habe tatsächlich schon einiges überstanden."