Süddeutsche Zeitung

Mitwitz:Protest gegen die AfD

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Bürgermeister wegen verfremdeten Hakenkreuzes angezeigt

Von Olaf Przybilla, Mitwitz

Seit 35 Jahren ist der Bürgermeister der oberfränkischen Marktgemeinde Mitwitz, Hans-Peter Laschka, Mitglied in der CSU. Und natürlich hat er den Vorschlag eines Erlanger CSU-Stadtrats registriert, der kürzlich die AfD als möglichen CSU-Koalitionspartner ins Spiel gebracht hat. "Niemals", sagt Laschka, "und wenn doch: Dann würde ich sofort austreten." Man kann dem Bürgermeister das glauben, hat er sich doch gerade eine Verdachtsanzeige der Polizei in einschlägiger Angelegenheit eingehandelt. Bei einer Demonstration gegen die AfD hat Laschka eine lebensgroße Puppe mitgeführt, die ein Brett vor den Kopf hielt. Auf diesem war der Schriftzug AFD zu lesen, wobei der mittlere Buchstabe zum Hakenkreuz verfremdet war. Nun ermittelt der Staatsschutz gegen den Bürgermeister - wegen möglicher Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Der Sprecher der Polizei in Kronach, Gerhard Anders, bestätigt das so. Der Bürgermeister habe an einer Demonstration gegen die Gründung eines AfD-Verbands in Weißenbrunn (Landkreis Kronach) teilgenommen. Tatsächlich habe man auch die von Laschka "mitgeführte Puppe" sichergestellt, um den gesamten Vorgang prüfen zu können. Über die Ermittlungen der Kriminalpolizei werde die Staatsanwaltschaft Coburg zu entscheiden haben.

Der Bürgermeister sieht das ganz gelassen. Er habe nur seine Meinung kundtun wollen und bereue nichts. "Wir müssen bei der AfD genau hinschauen", sagt Laschka. Deshalb habe er auch das Plakat mit der Aufschrift "Für manche Menschen endet der Horizont am Brett vorm Kopf der AfD" mitgeführt. Und deshalb habe er die Puppe, die sonst als "Josef" in der Mitwitzer Weihnachtskrippe eine feste Rolle hat, kurzerhand umfunktioniert. Dass die Polizei das verfremdete Hakenkreuz nun überprüft, findet der Bürgermeister "völlig in Ordnung". Sollte er am Ende eine Geldstrafe zahlen müssen, so sei ihm vor größeren finanziellen Belastungen nicht bange. "Es haben sich schon genug Freunde und Unterstützer gemeldet, die im Zweifelsfall Geld einsammeln würden", sagt er. Und die zweckentfremdete Puppe Josef? Die soll, kommt nichts dazwischen, bei der nächsten Mitwitzer Weihnachtskrippe auch wieder mitwirken.

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Quelle:
SZ vom 30.08.2018
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