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Mittenwald:Streit um Karwendelbahn eskaliert

Karwendelbahn im Nebel

Die Schließung der Karwendelbahn wäre eine Katastrophe für den Tourismus in Mittenwald.

(Foto: Ursula Düren/dpa)
  • Zwischen der Gemeinde Mittenwald und dem Betreiber der Karwendelbahn gibt es schon länger Streit.
  • Nun droht die Reich-Gruppe den Betrieb einzustellen.
  • Die Schließung der Seilbahn wäre eine Katastrophe für den Tourismus im Ort.

Wenn bei einer Seilbahn Revision ist, geht es um Stahltrossen, Zahnräder und Kabinentüren. Bei der Karwendelbahn in Mittenwald geht es daneben immer gleich ums Ganze: Kaum steht sie still, kommt die Frage auf, ob sie je wieder anläuft.

Im Dezember raunte es aus dem Rathaus, ob man ohne Investitionen in die Technik wohl zu Weihnachten den Betrieb wieder aufnehmen könne. Nun, während der Frühjahrsrevision, ist es der private Mehrheitseigentümer, der die Existenz der Bahn in Frage stellt. Für die Gemeinde war der dahinter stehende Dauerzwist mit dem Zwangspartner bisher ein Ärgernis. Für die vielen Hotels und Vermieter in Mittenwald käme das Aus für die Bahn einer Katastrophe gleich.

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Mehr als 120 000 Berg- und Talfahrten pro Jahr verzeichnete die Karwendelbahn zuletzt im Schnitt - die allermeisten im Sommer, denn einen klassischen Skibetrieb gibt es schon länger nicht mehr, und die Freerider treten ungern in Massen auf. Weder die Tagesgäste noch die etwa 90 000 Feriengäste pro Jahr, die zusammen eine halbe Million Nächte in den vielen Mittenwalder Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen zubringen, wollen das Karwendel alle selbst erklettern. Und auch das fernrohrförmige Naturinfozentrum, das 2008 gegen heftige Proteste zur besseren Auslastung der Bahn auf den Berg gewuchtet wurde, könnte zusperren.

Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) kennt die Bedeutung der Bahn. Weil die Gemeinde selbst ein gutes Drittel der Aktien hält, hat er sich bisher sehr vorsichtig geäußert. Angesichts der jüngsten, völlig unverhofften Drohung, den Betrieb einzustellen, ist Hornsteiner aber der Kragen geplatzt. Alleine könne die Reich-Gruppe die Gesellschaft gar nicht auflösen. Offenbar wolle sie nur Stimmung machen und die Gemeinde dazu bringen, ihr den 45-Prozent-Mehrheitsanteil zu überhöhten Preisen abzukaufen, was der Gemeinderat aber ablehne.

Wenn die Reich-Gruppe vorsätzlich einen Schaden verursache, werde man die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Verantwortlich ist bei der Gruppe im Wesentlichen Wolfgang Reich, der das Geflecht von Immobilienfirmen geschaffen und 2013 die schon immer private, aber noch nie renditeträchtige Mehrheit der Karwendelbahn übernommen hat. Seither herrscht Unfrieden, das Arbeitsgericht hat gut zu tun, und das Landratsamt muss sich etwa mit einer plötzlich bunten Illumination des Fernrohrs mitten im Naturschutzgebiet oder mit ungenehmigten Umbauten befassen.

Hornsteiner greift Reich nun als "einschlägig vorbestraften Straftäter" an, der daher gar nicht AG-Vorstand hätte sein dürfen. Denn Anleger einer anderen Reich-Gesellschaft hatten gegen ihn in Stuttgart eine Bewährungsstrafe wegen Verstößen gegen das Aktienrecht erwirkt. Das Amtsgericht München hat am 11. März seine Löschung als Vorstand der Karwendelbahn AG verfügt. Die Beschwerde dagegen liegt beim Oberlandesgericht. An den Eigentumsverhältnissen der Bahn wird das Urteil nichts ändern.

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