Adel:Freie Fahrt für Fürstin Gloria!

Verleihung der Staatsmedaille für soziale Verdienste

Im Bild leider ohne Golfcart, dafür aber mit Hornbrille: Gloria von Thurn und Taxis.

(Foto: dpa)

Beim gemeinen Fußvolk stößt das nicht immer auf Begeisterung, aber: Adlige wie Gloria von Thurn und Taxis genießen Privilegien. Neuerdings flitzt die Fürstin mit dem Golfcart durch Regensburg.

Kolumne von Andreas Glas

Es ist jetzt auch schon wieder neun Jahre her, dass Fürstin Gloria von Thurn und Taxis einen Artenschutz für den Adel gefordert hat. Wobei ihr eigentlicher Titel ja nicht Fürstin ist, sondern Prinzessin, den Titel Fürstin gibt es im deutschen Melderecht längst nicht mehr. Aber, wurscht, vor neun Jahren hat die selbsternannte Fürstin also erzählt, dass das Unesco-Weltkulturerbe sogar Indianer schütze und deswegen müsse auch der Adel geschützt werden.

Die Herrschaften von der Unesco hat das herzlich wenig gekratzt, was wiederum die kecke Gloria noch herzlich weniger gekratzt hat, weil der Adel in ihrer Welt eh nie aufgehört hat zu regieren. Als selbsternannte Regentin hat sie zum Beispiel den Dritten Weltkrieg ausgerufen, als damals so bedrohlich viele Flüchtlinge ins Land kamen. Ihre Kriegserklärung verlas sie in einem Golf-Klub, wo sie ihre Untertanen mit folgendem Satz auf die Zeit im Luftschutzbunker einstimmte: "Genießen Sie das Golfspielen, solange es noch geht."

Man muss sich diesen Satz in Erinnerung rufen, um zu verstehen, weshalb die selbsternannte Fürstin neuerdings schon wieder für Aufsehen sorgt. Seit einiger Zeit flitzt Durchlaucht nämlich in einem überdachten Golfplatzfahrzeug, kurz Golfcart, durch die Regensburger Altstadt.

Doch statt ein fähnchenschwenkendes Spalier für ihre überdimensioniert behornbrillte Fürstin zu bilden, reagiert das Regensburger Fußvolk irritiert auf diesen Auftritt und diskutiert, ob das denn überhaupt erlaubt sei und ob ein Golfcart auf öffentlicher Straße ein Nummernschild braucht oder nicht. Eine typisch kleingeistige Reaktion, die bekanntlich immer dann auftritt, wenn der Adel etwas tut, was er aus Sicht des Pöbels nicht tun sollte.

Dabei ist die Sache mit dem Golfcart ganz einfach zu erklären. Seit die selbsternannte Fürstin den Krieg ausgerufen hat, genießt sie dieses Golfplatzgefühl eben so lange es noch geht. Das Regensburger Fußvolk täte daher gut daran, die Ängste seiner besorgten Fürstin ernst zu nehmen und mehr Mitgefühl dafür zu zeigen, dass der Adel in diesen Zeiten so gar nichts mehr hat, was ihm Beachtung beschert. Eben abgesehen von einem Golfplatzfahrzeug. Und überdimensionalen Hornbrillen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB