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Mitten in Nürnberg:Der Club tickt anders

Als Clubberer muss man leidensfähig sein. Und wenn der Frust zu groß wird - einfach mal ins Deutsche Fußballmuseum nach Dortmund fahren

Man glaubt ja immer, der gemeine Clubberer habe jeden Schmerz gefühlt, alles durchlitten, jede Gemeinheit auf sich angewendet gesehen. Es geht nicht mehr bitterer, irgendwann muss doch das Fatum ein Einsehen haben und die Rolle des ewig Geschundenen an einen anderen weiterreichen. Und dann? Erfindet einer die "kalibrierte Linie". In ihrer schlimmstmöglichen Wendung wird diese natürlich angewendet: auf den Club. Aberkennung eines Tores nach geschlagenen zwei Minuten! Wegen Abseits. Als Tabellenletzter. Es geht nicht bitterer? Oh doch. Es gibt den Club.

Froh sei, wer keine Menschen im Handy hat, die Clubberer sind und noch im himmelschreiendsten Frustsuff SMS zu schreiben in der Lage sind. Auf dem Display tun sich Abgründe auf an solchen Tagen. Intellektuelle - im nüchternen Zustand Hochschullehrer - schreiben einem Texte, die halb irre zwischen Weltschmerz und Weltverschwörung mäandern und nach Gründen suchen nach der immer gleichen Frage: Warum wir?

Gibt es da Trost? Wohl kaum. Aber Linderung. Nur vier Stunden braucht der ICE von Nürnberg nach Dortmund, dort fällt man aus dem Bahnhof quasi rein ins 2015 eröffnete Deutsche Fußballmuseum. Drinnen nähert man sich in einem fensterlosen Gang der Meisterschale hinter einem Glasschrank. Wer sich der Schale von links nähert, sieht nur die Meister von 1903 bis 1963. Es gibt kein Wort, das es häufiger zu lesen gäbe auf dieser Seite des Schranks als das hier: Nürnberg.

Nürnberg. Nürnberg. Nürnberg. Nürnberg. Nürnberg. Nürnberg. Nürnberg. Achtmal. Ach ja, und einmal: München.

Tempi passati. Umso bitterer, könnte man sagen. Aber wer sich durchklickt im Museum, stößt auf eine Club-Story, von der die Branche lernen könnte - wüsste sie noch davon. Heldensaga für Kinoregisseure und ein leuchtendes Beispiel ist diese Geschichte ohnehin. Es war so: 1984 tobte die "Oktoberrevolution" beim Club. Die Spieler wollten, dass der Trainer rausfliegt und lancierten einen offenen Brief. Präsident Gerd Schmelzer ließ die Spieler antanzen. Schmiss aber nicht etwa den Trainer raus. Sondern die sechs Rädelsführer. Der Trainer führte das Team daraufhin zum Bundesligaaufstieg. Erfolglosigkeit ist immer gleich Trainerentlassung? Es geht auch anders. Bravo, Club!