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Mitten in Landshut:Scheinerfolg der AfD

Die Partei rühmt sich mit ihrem Kampf gegen den Gender-Stern - zu Unrecht

Kolumne von Johann Osel

Veranstaltungstipp des Bezirks Niederbayern zur Obstausstellung im Landkreis Landshut. Wer eine lebhafte Fantasie hat, könnte sich den Text etwa so vorstellen: "Obstbaumeister*innen präsentieren den Besuchenden und HobbygärtnerInnen Früchte, Elter 1 und Elter 2 haften für ihre Kinder (m/w/d)." Natürlich erging die Einladung in lesbarem Deutsch, beim Bezirk wird nicht sinnlos "gegendert", wie vor allem die Variante mit Sternchen heißt. Nach Ansicht der AfD ist das deshalb so, weil man es höchstpersönlich durchgeboxt habe im Kampf gegen die "Sprachverhunzer" der Altparteien. "Niederbayerische AfD verhindert Gendergaga im amtlichen Schriftverkehr", jubelt die Deggendorfer Politikerin Katrin Ebner-Steiner auf Facebook, sie zitiert kuriose Beispiele ("MenschInnen") und zeigt dazu allen Ernstes Toilettenschilder mit Mann, Frau und einem Elefanten. "AfD wirkt." Allerdings: Über einen AfD-Antrag dazu wurde im Bezirkstag nicht abgestimmt. Und den Gender-Stern wollte gar keiner etablieren. Er entspringt der Empörungsfantasie der AfD.

Bezirkstagspräsident Olaf Heinrich schildert nun in einer Mitteilung, was in der letzten Sitzung wirklich passiert ist. "Mit der Darstellung der AfD haben die realen Vorgänge nichts zu tun." Die AfD beantragte, dem Bezirk Gendern vorsorglich zu verbieten, mitsamt Säuberungsaktion: Gendernden Vereinen sollen die Bezirkszuschüsse gestrichen werden. Dem Antrag folgte keiner, man zog ihn zurück. Einstimmig (mit AfD) ging Heinrichs Antrag durch, wonach alles beim Alten bleibt. "Wir führen keinen Gender-Stern oder Ähnliches ein, formulieren aber weiter so, dass wir alle Geschlechter gleichberechtigt miteinbeziehen." Beispiel: "Liebe Bürgerinnen und Bürger." Fairerweise muss man sagen, dass eine Lokalzeitung den Ablauf zunächst falsch darstellte.

Wer die AfD und ihre Stimmungsmache kennt, der weiß: Alles, was mit Geschlechtern zu tun hat, ist ein Reizthema; gilt das doch als Baustein zur "großen Verschwulung" des Landes, analog zum "großen Bevölkerungsaustausch" durch Migration. Im Netz erntet die AfD Lob bei ihrer Klientel für die vermeintliche Rettung des Abendlandes. Niederbayern sei "das Gallien der Neuzeit", liest man sogar. Nur dass eben die Meldung so fingiert ist wie die Geschichte von "Asterix und Obelix".

© SZ vom 25.09.2019
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