bedeckt München

Mitten in Kempten:Tierischer Störenfried

Rehe, Waschbären und auch Maulwürfe - auf Friedhöfen gibt es nicht nur menschliche Besucher. Diese allerdings müssen in Kempten zurzeit reichlich Hindernisse umrunden

Glosse von Florian Fuchs

Der Maulwurf hat einige natürliche Feinde, den Mäusebussard zum Beispiel, den Graureiher, den Fuchs oder auch das Wiesel. Der Mensch gehört schon auch dazu, obwohl das Tier unter Schutz steht. Jagd ist also verboten. Auf dem Friedhof in Kempten hätten sie deshalb gerade nichts dagegen, wenn der Fuchs oder das Wiesel zuschlagen würden, weil - man kann das nicht anders sagen - der Maulwurf den Besuchern dort in jüngster Zeit arg auf den Keks geht. Der Maulwurf ist laut örtlichen Berichten dort so rege tätig, dass Besucher quasi einem Hindernislauf ausgesetzt sind. Die Friedhofsverwaltung ist einigermaßen machtlos, all die Hausmittelchen haben lediglich bedingt Sinn. Wer legt schon großflächig Knoblauch zwischen Gräbern aus oder stellt quietschende Windräder auf.

Tiere sind auf Friedhöfen öfter mal ein Problem, die Deutsche Wildtier Stiftung hat dem Thema einmal eine eigene Übersicht gewidmet: Rehe zum Beispiel knabbern gern Rosenblüten und getrocknete Kranz-Beeren. Wildkaninchen, Feldhasen und auch Wildgänse stehen auf frisches Grünzeug. Füchse oder auch Waschbären, zählen Experten auf, durchwühlen die Reste in Mülleimern, was im Falle des Fuchses zu einer seltsamen Bereicherung des Speiseplans geführt hat: Offenbar mögen die Tiere den öligen Geschmack des Kerzenwachses von den Grablichtern. Gerade im Winter ist ein Friedhof ein reich gedeckter Gabentisch für so manches Wildtier, das sonst wenig zum Fressen findet.

Der Maulwurf wiederum ist weniger wegen der Nahrung auf bayerischen Friedhöfen unterwegs, ihm gefällt es dort aber zunehmend: Da die Menschen im Freistaat vermehrt auf Urnenbestattung setzen, bleibt der Maulwurf in seinem unterirdischen Tunnelsystem mehr und mehr ungestört von den Grabungsaktivitäten der Menschen.

Jetzt ist es gerade bei frosthartem Boden schwierig, die Tiere lebend zu fangen, weshalb bis in den Frühling hinein nichts anderes übrig bleiben wird, als den Maulwurf unten graben zu lassen und oben seine Erdhügel ein ums andere Mal einzuebnen. Oder es hilft halt doch der Fuchs: Paraffin zum Vergrämen der Maulwürfe, das wäre eine Win-Win-Situation für Tier und Mensch.

© SZ vom 12.01.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema