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Mitten in Ingolstadt:Pack die Badehose schon mal ein!

Das Sportland Bayern ist elektrisiert, seit der Innenminister Lockerungen in Aussicht gestellt hat - sind doch die geschlossenen Anlagen oft direkt vor der Nase. Ähnlich ist es in Ingolstadt, wo ein Spaßbad seit Längerem dicht ist, schon vor Corona. Nun kauft es die Stadt vom insolventen Betreiber

Glosse von Johann Osel

Die weißen Hallenschuhe, Sportkleidung, die Handschuhe für den Griff am Trainingsgerät, Duschtücher - der Autor dieser Zeilen hat vorsorglich seine Tasche fürs Fitnessstudio gepackt und griffbereit platziert. Wenn's so weit ist, kann er losspurten zur Muckibude, zumal in einem Hygienekonzept der Zutritt an Personen limitiert sein wird. Zu verlockend ist das, was Bayerns Innenminister Joachim Herrmann gerade in Aussicht stellte: Angesichts sinkender Corona-Zahlen erwarte er "zeitnah" Lockerungen im Amateursport, für Fitnessstudios und Vereinshallen erarbeite man Lösungen, um dem "Sportland Bayern auch in Corona-Zeiten gerecht werden zu können". Schlimm genug ist die trübe Lage aktuell, erschwerend kommt dazu, dass das geschlossene Studio vis a vis vom Küchenfenster wartet. Im ganzen Sportland Bayern wirkt es jetzt so, als habe einer ein Fenster geöffnet im muffigen Raum und herein strömt etwas Sonne. Im Netz liest man: Tennisspieler prüfen die Bespannung der Schläger, Fußballer putzen Stollenschuhe, sogar der Sportschützenbund ölt die Gewehre und verspricht "landauf, landab einen sicheren Betrieb an unseren Schießständen". Hoffnung ist zu lesen bei Sportvereinen, Turnern oder Schwimmern. Pack die Badehose schon mal ein!

Damit nach Ingolstadt, da ist es ja im Grunde nicht anders als beim Fitnessstudio nebenan. Die Bürger haben ein Spaßbad vor der Nase: die Donautherme "Wonnemar", 2003 eröffnet. Doch die ist dicht, schon vor der Pandemie. 2019 schloss das Bad, um bald schöner wieder zu eröffnen. Doch der Umbau zog sich, der Betreiber geriet in Schieflage, es keimte Streit auf mit der Stadt über die Kosten. Das Rathaus brach zeitweilig alle Verhandlungen ab, hüllte sich auf Nachfragen in Schweigen. Nun die Nachricht: Die Stadt kauft das Bad. Ein "positiver Schlussstrich" unter der leidigen Causa, meint Oberbürgermeister Christian Scharpf (SPD): "Ich freue mich, dass wir nach Fertigstellung des Umbaus möglichst bald das Erlebnisbad für die Bevölkerung und den Schul- und Vereinssport öffnen können." Badehosen können auch hier gepackt werden.

Allerdings, da schließt sich der Kreis zum Minister: Genau weiß man's nicht. Das Virus wird es hier bestimmen, dort der Baufortschritt: Ob die Baderöffnung tatsächlich 2021 erfolgt, ist noch unklar.

© SZ vom 22.02.2021
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