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Mitten in Bayern:Wer hat's erfunden?

In Bayern läuft gerade das Rennen um den Pokal als grünster Politiker. Da liegt der Ministerpräsident vorne, klar. Die Freien Wähler bemühen sich auch. Und die Grünen verweisen einfach auf das Original

Die bayerischen Minister kommen im Rennen um den Pokal für den grünsten Politiker im Land kaum am Ministerpräsidenten vorbei. Markus Söder setzt sich seit dem enormen Erfolg des Volksbegehrens zur Artenvielfalt beim Klimaschutz an die Spitze der Bewegung. Das Rennen um Platz zwei allerdings ist noch offen. Da wäre Umweltminister Thorsten Glauber, der qua Amt gute Karten haben sollte, aber eher durch bunte Socken auffällt. Also versucht Parteikollege Michael Piazolo aufzuholen. Dass die Freien Wähler bis dato nicht als Umweltpartei auffielen? Geschenkt.

Die demonstrierenden Schüler setzten das Thema auf die Agenda, damals freute sich der Politikprofessor Piazolo zwar noch übers Engagement, der Minister Piazolo mahnte aber schon zur Schulpflicht. Am Mittwoch nun warnte er die Schüler sogar, dass die erhoffte Aufmerksamkeit erreicht sei und er "überhaupt keine Notwendigkeit mehr" für Streiks sehe.

Dabei wollen die FFF-Demonstranten erst aufhören, wenn ihre Ziele erreicht sind. Man nehme das Kultusministerium: Piazolo deklariert die Themen Umweltbildung und nachhaltige Entwicklung zum Schwerpunkt des neuen Schuljahres. Von Projekten ist die Rede, von Wahlkursen, Fortbildungen und Exkursionen. Wer aber nach Konkretem fragt, hört Nebulöses. Viel sei in Arbeit, ein Arbeitskreis etwa stellt eine Übersicht aller Kooperationen und Best-Practice-Beispiele zusammen. Bald sollen Ergebnisse kommen. Geht es konkreter? Handreichungen werden erarbeitet. Ganz konkret? Eine ist in Arbeit, Thema Wasser, kommt irgendwann. Eine ist neu, für Fünftklässler an Gymnasien, Thema Biodiversität. 178 Seiten für einen der bald neun Jahrgänge an 400 Gymnasien. Das andere Lehrbuch zur Umweltbildung ist aus dem Jahr 2003. Damals wurden auch eigene Umweltbeauftragte eingeführt, jede Schule braucht einen. Seither? Nichts.

Derweil betonen die Grünen ihren Status als Original beim Umweltschutz und werfen Piazolo Ideenlosigkeit vor. Und während Grüne und Staatsregierung um die vorderen Plätze rangeln, schieben sich die katholischen Schulen vorbei: Das Erzbistum München und Freising hat eine Fachberaterin für Umweltthemen berufen, Zusatzstunden für die Umweltbeauftragten und Budget gibt es obendrauf.