bedeckt München

Mitten in Bayern:Wem gehört der Watzmann?

So ein stattlicher Berg macht schon was her, gerade in der Werbung. Und wenn Alpenidylle gefragt ist, welcher Gipfel könnte da besser passen als der Watzmann? Zumal, wenn man selber keine hat. Oder warum soll eine Firma den Berg sonst in die Schweiz verlegt haben?

Glosse von Maximilian Gerl

Es gibt keine schlechte Presse, heißt es, und tatsächlich hat der Suppenhersteller Knorr ein ungeahnt großes Publikum mit seinem jüngsten Werbefilm erreicht. Der Clip wäre normalerweise nur in der Schweiz beachtet worden. Die Kulisse für die beworbenen Produkte darf dabei durchaus als prächtig gelten: saftige Wiesen, idyllische Hänge und ganz hinten, überragend, ein mächtig wunderbarer Berg. "So schmöckt's Dihei", lautete der schwyzerdütsche Slogan. Ein Bild von Heimat also, das auf den zweiten Blick nur einen Makel hatte, wie das Schweizer Blatt Blick entrüstet konstatierte: Statt eines Schweizer Panoramas hatte man sich den "Stolz der bayrischen Tourismusbehörde" ausgesucht, den Watzmann. Klar, ein toller Berg, aber echte "Swissness"? Fehlanzeige! Beim Knorr-Mutterkonzern Unilever bemühte man sich gar nicht erst, das Malheur schönzureden. "Was soll ich sagen?", gab ein Unternehmenssprecher der Deutschen Presse-Agentur zu Protokoll. Das Motiv für die Schweizer Werbung sei bereits ausgetauscht worden.

Immerhin, Knorr ist nun in vieler mehr Munde als geplant. Und in guter Gesellschaft. Denn es ist nicht das erste Mal, dass der Kalkkoloss aus dem Berchtesgadener Land in die Schweiz entführt wurde. Irgendetwas scheint der Watzmann an sich zu haben, dass er mit seinen 2713 Metern regelmäßig alle Schweizer Gipfel aussticht. In dieselbe Falle wie Knorr war ja 2016 schon Lidl Schweiz getappt. Oder 2018 der Chiphersteller Zweifel - was zu schönen Sätzen wie "Zweifel an diesem Schweizer Berg" führte. "Nehmt es nicht zu tragisch", twitterte damals die Grünliberale Partei Schweiz, "ist uns auch schon passiert." Richtig: 2015 musste der Watzmann für eines ihrer Plakate herhalten. Seitenverkehrt. Auch damals war Aufmerksamkeit garantiert, über die Schweizer Grenzen hinaus.

Ein Versehen mit System? In Bayern wird man es so oder so mit Stolz nehmen. Hier zeigt man gerne, was man hat, erst recht für Film und Fernsehen. So wurde Bamberg schon zu Paris (Die drei Musketiere, 2011) und Oberstdorf zu Calgary (Eddie the Eagle, 2016), die Zugspitze nach Finnland versetzt (Big Game, 2015) und Schloss Neuschwanstein auf den Planeten Druidia (Spaceballs, 1987). Bayern ist für alle da - auch das "Watzmännli".

© SZ vom 16.02.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema