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Mitten in Bayern:Veränderliche Kennzeichen

So ein Nummernschild ist kein verlässlicher Hinweis darauf, woher die Insassen des Autos kommen. Und zwar nicht nur, weil es sich um einen Dienstwagen handeln kann, der nicht am Wohnort des Fahrers angemeldet ist

Glosse von Matthias Köpf

So ein Nummernschild besteht ja nicht nur aus Nummern, und damit geht es dann natürlich los. Die eigenen Initialen in der Mitte wären es noch gar nicht, und mancher Halter nimmt da auch einfach das, was ihm in der Zulassungsstelle eben zuteil wird. Aber der oder die Buchstaben vorne dran könnten dann doch verräterisch sein. Ist es einer von denen? Eine von uns? Jetzt, wo da und dort eine Ausflugssperre für Auswärtige gilt und sich die Frage stellt, wie sich das denn überwachen ließe, muss als erster Anhaltspunkt eben das Nummernschild herhalten. Ist es ein M und nichts als ein M? Oder verdeckt nur ein Batzen Schnee den nächsten Buchstaben? Vielleicht sogar ein B, das einen eingeborenen Miesbacher auszeichnen würde?

Aber für mehr als einen vagen Anfangsverdacht reicht so ein Nummernschild nicht. Das betonen zum Beispiel Leute, die den falschen Buchstaben am Dienstwagen haben. Was müssen sie auch bei einer Münchner Firma arbeiten, wo es am Tegernsee doch so viele schöne Jobs im Gastgewerbe gibt? Aber auf das Kennzeichen ist auch sonst kein Verlass mehr.

Schon die in Bayern 2013 beschlossene Möglichkeit, die alten, längst abgeschafften Kennzeichen wieder einzuführen, hat viele Landkreisgrenzen gesprengt. So gibt es im Berchtesgadener Land, wo ebenfalls gerade eine Ausflugssperre gilt, nicht nur BGL-Kennzeichen, sondern auch welche mit BGD, REI und LF, wobei Autos mit LF auch aus den Landkreisen Traunstein oder Altötting kommen könnten. Sofern sich die Halter beim Zulassen in den Kreisgrenzen vor 1972 halten, als die Kreise dann von 143 auf 71 und die kreisfreien Städte von 48 auf 25 in etwa halbiert wurden. Aber die Menschen identifizieren sich eben eher kleinräumig und haben sich massenhaft die neuen alten Kennzeichen an die Autos geschraubt.

Dafür tut sich mit dem Identifizieren jetzt die Polizei etwas schwerer, die in Miesbach übrigens ein RO-Kennzeichen am Dienstwagen hat. Das Präsidium in Rosenheim hat Nummerntafel-Chauvinisten bereits auf Unwägbarkeiten hingewiesen. Auch dass seit 2015 jeder bei einem Umzug innerhalb Deutschlands sein Kennzeichen behalten darf. Gut, wer sein M nach Miesbach mitbringt, ist halt selber schuld. Aber was, wenn sich hinter jedem dritten MB ein Münchner verbirgt?

© SZ vom 18.01.2021
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