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Mitten in Bayern:Tsukahara, Luttrop und Mäntyranta

Wissen Sie, wer 1972 eine Goldmedaille im Turnen gewonnen hat? Und wie die Fußballer der Nürnberger Meistermannschaft von 1968 hießen? Ein paar Leute gibt es noch, die sich das gemerkt haben

Viele aus jener Generation, die 1972 bereits dem Windelalter entwachsen waren, erinnern sich gerne an die - bis zum Attentat - so heiteren Münchner Spiele, die vor nunmehr 47 Jahren die letzte August- und die erste Septemberwoche prägten. Wie sehr die Spiele auf das Denken der damaligen Jugend abfärbten, hat neulich der Kollege F. bei einem Flurgespräch bestätigt. Auch er mischte sich 1972 oft ins Remmidemmi im Münchner Olympiapark, wobei er en passant im Hirnkastl ein verblüffendes Detailwissen abspeicherte. So ratterte er also während der Plauderei in der Redaktion beiläufig die Mitglieder der japanischen Turnriege herunter, die 1972 in München die Goldmedaille gewonnen hatte: "Sawao Kato, Eizo Kenmotsu, Shigeru Kasamatsu, Akinori Nakayama, Teruichi Okamura und Mitsuo Tsukahara." Alle Achtung, eine stolze Leistung. Allerdings ist anzumerken, dass die Kenntnis von Sportlernamen damals noch üblich war. Nicht nur, dass junge Menschen dadurch nebenbei das Gedächtnis schulten. Ihre geografischen Kenntnisse erweiterten sie überdies mithilfe der fünf Regionalligen, die es damals im Fußballbetrieb gab. Fast alle wussten, wo Orte wie Alsenborn und Erkenschwick lagen, und wie die Berliner Stadtteile hießen, da Berlin eine eigene Regionalliga besaß.

Selbstverständlich konnten einst die meisten Schüler die Aufstellungen ihrer Lieblingsvereine im Schlaf herunterleiern. Noch ist mindestens eine Handvoll altgedienter SZ-Kollegen jederzeit imstande, die Meistermannschaft des TSV 1860 von 1966 aufzuzählen: "Grosser, Radenkovic, Luttrop, Brunnenmeier, Konietzka . . ." oder sogar die Nürnberger Erfolgstruppe von 1968: "Wabra, Toth, Leupold, Popp . . .". Natürlich kannte man auch die Matadore aus anderen Sportarten, heute sind nicht einmal mehr die aktuellen Olympiasieger bekannt. Kollege M. kann beispielsweise auf die Frage, wer 1964 die Goldmedaille im 30-km-Skilanglauf gewann, aus dem Stand den Namen Mäntyranta nennen.

Immer, wenn im Frühherbst die Erinnerungen an die Spiele von 1972 aufsteigen, dann kehren auch längst verwehte Sportlernamen zurück. Bis sie mit den letzten alten Redakteuren und Archivaren, in deren Köpfen sie noch herumwabern, endgültig verschwinden werden.