Mitten in Bayern Taktisches Absägen

In Aschau sind ein paar Bäume gefällt worden, ohne große Ankündigung. Der Zeitpunkt lässt freilich aufhorchen

Kolumne von Matthias Köpf

Wenn 2019 ein Schaltjahr wäre und der Februar 29 Tage gehabt hätte, dann hätte die Sache vielleicht nicht ganz so seltsam ausgesehen. Dann wäre der 28. Februar nicht der allerletzte Tag gewesen, an dem die rund zwei Dutzend Bäume womöglich wirklich gefällt werden durften, denn von 1. März bis 30. September sind sie als Lebensraum für Vögel geschützt. So aber stehen diese Bäume jetzt nicht mehr, und die Gemeinde Aschau im Chiemgau steht auch nicht besonders gut da.

Ein ehrenamtlicher Naturschutzwächter habe an jenem Vormittag vergebens versucht, die Fällung zu stoppen, heißt es aus dem Landratsamt in Rosenheim. Man habe sofort eine Mail geschrieben und den Bürgermeister angerufen, aber für diese Intervention war es dann auch schon zu spät. Denn die Arbeiter hatten etliche Bäume schon mal angeschnitten, und diese Bäume konnte man doch beim besten Willen nicht mehr stehen lassen.

Die CSU-Gemeinderäte beklagen nun, dass die unangekündigte Fällung ein Frevel und das taktisch motivierte Anschneiden der Bäume ein holzfällerischer Kunstfehler war - beaufsichtigt vom Zweiten Bürgermeister, einem Mann vom Fach und von der Freien Wahlgemeinschaft Aschau, welcher auch der erste Bürgermeister Peter Solnar angehört. Die CSU hat den Stellvertreter nun zum Rücktritt aufgefordert, aber noch lieber würde sie sowieso Solnar absägen. Dessen Fürsprecher sagen, dass die Fällung vielleicht etwas kurzfristig und überraschend war, aber nicht verboten. Die besagten Bäume an der alten Turnhalle hätten ohnehin irgendwann der neuen Halle weichen müssen, zur Not mit Sondergenehmigung.

Im Landratsamt hätte man gern vorher von der Fällung erfahren, denn der Bebauungsplan für die Halle ist zwar ausführlich vorbesprochen, aber gültig ist er noch nicht. Die Turnhalle ist das Politikum schlechthin in Aschau. Eine Mehrheit im Gemeinderat wollte erst eine große Halle samt Sauna und Jugendräumen, doch die Mehrheit der Aschauer stimmte in einem Bürgerentscheid für eine abgespeckte Version. Im Rat ist die Atmosphäre über all dem längst so vergiftet, dass das mit der Fällung wohl auch anders gegangen wäre: Einfach eine Ratssitzung darunter abhalten, und die Bäume wären von selber eingegangen.