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Mitten in Bayern:Spitzenmäßiger Söderstream

Die Merkelraute ist längst Volksgut, nun haben kundige Beobachter die Söderspitze identifiziert. Und dabei handelt es sich nicht um einen Berg im Voralpenland

Von Ferne erinnert die Sache an das bekannte Phänomen, dass in Halbzeitpausen von Fußballübertragungen meistens der Trinkwasserverbrauch in die Höhe schnellt. Die verschiedensten Stadtwerke berichten das immer wieder gern und erklären es zuverlässig mit den Toilettenspülungen, die da betätigt werden, während auf dem Fernsehschirm schon wieder die Werbung für das nächste Bier läuft. Die Stadtwerke in Bamberg sind jetzt einer ähnlichen Sache auf die zackige Spur gekommen und haben ihr auch schon eine Namen gegeben. Nahezu täglich um die Mittagszeit registrieren sie neuerdings die "Söderspitze".

Die Söderspitze könnte auch gut ein eher unauffälliger Berg in den Voralpen sein, oder vielleicht sogar eine Universalantwort auf die Fragen streberhafter Touristen, die partout den Namen der einen oder anderen Erhebung wissen wollen. Aber da hat sich "Zwölferkogel" als Antwort ja eigentlich sehr gut bewährt, und außerdem ist die Söderspitze sowieso kein Berg. Denn bei allem Respekt: So weit hat es der Ministerpräsident dann doch noch nicht gebracht. Einen eigenen Berg hat ja nicht einmal Franz Josef Strauß bekommen, falls der Hohe Straußberg bei Schwangau - und übrigens auch der Niedere sowie das Straußbergköpfl - wirklich schon länger so heißen.

Aber derlei Berge gingen die Stadtwerke in Bamberg ja auch gar nicht allzu viel an. Sie kümmern sich um ihre eigenen Angelegenheiten, wozu auch der sogenannte Traffic in ihren Glasfaserkabeln gehört, und eben da sind sie auf die Söderspitze gestoßen: Immer wenn der von wechselnden Coronakrisenkomparsen flankierte Ministerpräsident die neuesten Einschränkungen verkündet, ist ein größerer Teil des bangen Bayernvolks per Livestream dabei - und zack: schießt im Glasfasernetz die Söderspitze in die Höhe. Die Bezeichnung wird Söder schmeicheln, und womöglich schmeichelt ihm sogar der ebenfalls von den Stadtwerken angestellte Vergleich der Söderspitze mit der Merkelraute, aber da sind die Glasfasertrafikanten am Holzweg, denn eine Raute hat ja vier Spitzen.

Vielleicht sollten die Stadtwerke die Sache mal spartenübergreifend analysieren. So ein Söderstream dauert ja auch gern mal 45 Minuten, wenn nicht gar eineinhalb Stunden. Ohne Halbzeitpause.

© SZ vom 01.04.2020

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