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Mitten in Bayern:Söders verfehlte Punktlandung

Gerade bei Versprechen sollten Politiker, wie etwa ein Ministerpräsident, präzise formulieren. Sonst fallen ihm später mal seine Aussagen auf die Füße - und wenn es auch nur wegen eines Satzzeichens ist

Glosse von Lisa Schnell

Markus Söder ist gelernter Journalist, mit der Funktion eines Punktes am Ende eines Satzes dürfte er vertraut sein. "Im Landkreis Freyung-Grafenau wird das Verwaltungsgericht mit 40 Beschäftigten gegründet", so sagte das Söder in seiner Grundsatzrede im Kloster Seeon vor einem Jahr. Zumindest wurde er von dieser Zeitung so wiedergegeben und zwar von einem Kollegen, der einen so guten Draht in die Staatskanzlei hatte, dass er jetzt sogar dort arbeitet. Darum soll es hier aber nicht gehen, sondern um das Satzzeichen, das der Kollege wählte. Einen Punkt. Kein Fragezeichen. Nun hat Markus Söder wieder einen Satz gesagt zum Verwaltungsgericht in Freyung-Grafenau in Niederbayern und der geht so: "Jetzt bleibt das Gericht in Regensburg. Schade für Niederbayern."

Man muss sein Versprechen von damals nicht gleich vorschnell nennen, die Welt kann mit einem wie Söder einfach nicht Schritt halten. Das kann man des Öfteren beobachten, wenn er in einer Pressekonferenz lauter neue, tolle Dinge in die Kameras sagt. Ruft man danach im zuständigen Ministerium an und fragt nach, wie das im Detail aussehen soll, erfährt man nicht selten, dass sie sich dort genau das Gleiche fragen. Wie das mit dem Verwaltungsgericht gelaufen ist, weiß man nicht. Aber so ein Satz ist schnell gesagt und bringt viel Lob in der Region. Ein paar Kleinigkeiten können da schnell übersehen werden. Etwa, dass zu so einem Gericht Zeugen und Anwälte anreisen müssen. Und dass nach Freyung, wo das Gericht hin sollte, nur die Ilztalbahn fährt und zwar ausschließlich von April bis Oktober und am Wochenende. Wer den Bus nimmt, muss einen Tag vorher kommen, um es zum Verhandlungsbeginn zu schaffen. Entweder also, Markus Söder hatte einen ganz ausgeklügelten Plan und wollte mit seinem Vorschlag auch noch den Hoteliers in Freyung mehr Gäste bringen - das kann natürlich sein - oder aber, die Sache war nicht vollends durchdacht. Durchdachter scheint die Begründung, warum Niederbayern, der einzige Bezirk ohne Verwaltungsgericht, leer ausgeht. Der Koalitionspartner, die FW, hätten eine Einigung blockiert. Die CSU freilich, hat sich offenbar auch nicht einigen wollen und das Versprechen, so genau muss man sein, gab Söder. Punkt.

© SZ vom 06.05.2021
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